Mercosur will bis Ende des Jahres Abkommen mit der EU schließen

Mercosur-Vertreter bei ihrem halbjährlichen Treffen vergangene Woche in Mendoza, Argentinien. [EPA/Alberto Ortiz]

Bei seinem halbjährlichen Treffen letzte Woche hat der südamerikanische Handelsblock Mercosur bestätigt, dass er ein Abkommen mit der EU noch vor Ende diesen Jahres abschließen möchte. Experten warnen, dass dieser Zeitrahmen zu knapp sein könnte. Ein Bericht von EURACTIV Spain.

In der Abschlusserklärung des Treffens im argentinischen Mendoza halten die Mercosur-Mitglieder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay fest, die neuerlichen Gespräche mit Brüssel seien einer der wichtigsten Fortschritte der vergangenen Jahre.

Pläne für ein Mercosur-EU-Abkommen haben ihren Ursprung in einem Kooperationsabkommen aus dem Jahr 1995, das erst 1999 in Kraft trat. Im April 2000 fanden in Buenos Aires erste Verhandlungen statt. Seitdem wurden insgesamt 28 Verhandlungsrunden durchgeführt, über weite Strecken jedoch ohne nennenswerte Fortschritte.

Im Mai 2016 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen, das letzte Treffen fand Anfang Juli 2017 in Brüssel statt. Dort einigten sich beide Seiten, „rasch zu handeln, um die Verhandlungen abzuschließen.“ Die nächste Verhandlungsrunde ist für Oktober geplant.

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In den vergangenen Wochen haben beide Seiten Ankündigungen gemacht, denen zufolge bei der elften Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation im Dezember das geplante Abkommen präsentiert werden könnte.

„Die Teilhabe von Mercosur am Welthandel soll sich deutlich erhöhen. Dafür verlassen wir uns auf Handelsabkommen. Wir hoffen, den EU-Deal im Dezember diesen Jahres abschließen zu können“, erklärte der neue argentinische Außenminister Jorge Faurie vergangenen Freitag.

Für Marcelo Elizondo, Chef der Beratungsfirma Desarollo de Negocios Internacionales, steht fest: „Die USA werden protektionistischer und wir müssen gegensteuern. Trumps Einstellung hat andere Staaten überzeugt, dass sie ihre Integration in den internationalen Handel vorantreiben müssen.“ Das Erreichen eines Abkommens mit der EU sei „mehr als nur ein Symbol. Es wäre ein wichtiger Meilenstein.“

Dennoch erwartet er, dass im Dezember eher eine starke gemeinsame politische Aussage präsentiert wird, als ein komplettes Handelsabkommen. Ein solcher Deal brauche mehr Zeit. Selbst, wenn die Verhandlungspartner bis Ende 2017 eine Einigung erzielen könnten, würden die komplizierten Ratifizierungsverfahren in den einzelnen Ländern sowie die notwendigen Übersetzungen der Texte weitere Zeit in Anspruch nehmen.

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 Auch Dante Sica von der Beratungsfirma ABECEB erwartet, dass es noch „zwei bis drei Jahre“ dauern könnte, bis tatsächlich ein Handelsabkommen geschlossen wird. Dennoch seien die derzeitigen Fortschritte wichtig. Ein Abkommen mit der EU würde auch als „Gütezeichen” für Mercosur dienen und könnte bei anderen Verhandlungen helfen. Außerdem steigere ein solches Abkommen das Interesse europäischer Firmen an Südamerika, insbesondere in Argentinien und Brasilien.

Für die südamerikanischen Länder sind die EU und ihre 500 Millionen Konsumenten bereits der wichtigste Handelspartner. Sie erhoffen sich verbesserten Marktzugang. Laut EU-Kommission haben die EU-Mitgliedsländer 2016 Waren im Wert von insgesamt 43,2 Milliarden Euro in den Mercosur-Raum exportiert. Die Importe aus dem Mercosur-Raum beliefen sich auf 41,6 Milliarden Euro.