Massenkauf von Staatsanleihen: Die EZB wirft die Notenpresse an

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt. [© Kiefer. (CC BY-SA 2.0)]

Ab dem heutigen Montag öffnet die EZB die Schleusen und flutet die Märkte mit Geld in Milliarden Euro. Insgesamt wollen Europas Währungshüter in den kommenden Monaten bis zu 1,1 Billionen Euro für Vermögenswerte ausgeben. Die ersten Effekte zeichnen sich ab: Der DAX explodiert, der Euro bricht ein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) startet am Montag mit dem Ankauf von Staatsanleihen und privaten Anleihen, um das Risiko einer Deflation abzuwenden und die Teuerungsrate in der EU langfristig wieder knapp unter die Grenze von zwei Prozent zu bringen. Ende Januar hatte EZB-Präsident Mario Draghi ein 1,14 Billionen Euro schweres Ankaufprogramm angekündigt.

Die Notenbank will mindestens bis September 2016 jeden Monat Anleihen für 60 Milliarden Euro kaufen. Draghi betonte am Donnerstag allerdings, dass die Zentralbank dieses Quantitative Easing (QE) „wenn nötig“ darüber hinaus weiter führen werde.

Die EZB kauft Wertpapiere am Sekundärmarkt – also nicht direkt bei Staaten, sondern bei Banken oder Versicherern. So wird Geld ins Finanzsystem geschleust. Zu den Anleihen gehören Papiere von Eurostaaten, von internationalen Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder von nationalen Förderbanken wie der KfW kaufen. Bei Staatsanleihen gilt: Gekauft werden nur auf Papiere von guter Bonität. 

Die EZB erwartet, dass das Programm den Unternehmen in ganz Europa helfen wird, leichter Zugang zu Krediten zu erhalten. Das werde die Investitionstätigkeit steigern, Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum insgesamt stützen. Dafür druckt sich die EZB quasi selbst Geld, die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes nimmt zu, daher der Begriff QE – Quantitative Lockerung. 

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann befürchtet, dass der Reformeifer in Krisenländern nachlassen könnte – schließlich wird das Schuldenmachen billiger, wenn die EZB als großer Akteur auf den Plan tritt. Kritiker werfen der EZB außerdem vor, sie finanziere letztlich Staatsschulden mit der Notenpresse. Das mache die Notenbank abhängig von den Staaten und gefährde ihre Unabhängigkeit.

Geldschwemme spült Dax nach oben, Euro nach unten

Mit der Öffnung der Geldschleusen durch die EZB rückt die 12.000er-Marke für den Dax in greifbare Nähe. Noch in diesem Monat könnte es so weit sein. Die lockere EZB-Geldpolitik könnte sogar dazu führen, dass wir eine Jahrhundert-Rally sehen“, sagt Finanzmarkt-Experte Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. In der zurückliegenden Woche legte der Leitindex 1,3 Prozent zu. Es war der achte Wochengewinn in Folge. Das ist die zweitlängste Serie der Dax-Geschichte. 

Das mangelnde Angebot an Staatsanleihen vor allem aus Kernländern wie Deutschland werde die Renditen dieser Papiere auf absehbare Zeit niedrig halten, prognostiziert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Außerdem hielten sich Spekulationen auf eine Aufstockung von QE. Für andere Börsianer ist daher ein Rutsch der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen unter null Prozent nur eine Frage der Zeit. Bislang rentieren nur kürzerlaufende deutsche Papiere im negativen Bereich.

Auch für den Euro gehe es weiter abwärts, betont Krämer. „Die durch Anleihekäufe in Umlauf gebrachte Liquidität sucht nach Anlagen. Wenn die Renditen im Inland bereits deutlich gesunken sind, nehmen Anleger höher verzinsliche Anlagen im Ausland ins Visier, was die Währungen dieser Länder aufwerten lässt.“ Aktuell ist die Gemeinschaftswährung mit 1,0843 Dollar so billig wie zuletzt im September 2003 – und nicht mehr weit entfernt von der Parität zur US-Valuta. 

Der Euro-Wertverlust hilft der Exportwirtschaft: Produkte aus Deutschland sind auf den Weltmärkten in Dollar billiger. Das kann die Konjunktur beflügeln. Verbraucher würden indes nicht von den gesunkenen Ölpreise profitieren, weil Rohöl und Benzin international in Dollar gehandelt werden.

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