Luxemburg-Leaks trifft weitere Firmen: Disney und Skype belastet

Die heile Welt zerbröckelt: Auch der Disney-Konzern steht unter Verdacht, Steuerdeals mit Luxemburg getroffen zu haben. [© Joe Penniston (CC BY-NC-ND 2.0)]

Luxemburg hat offenbar mehr Großkonzernen Steuernachlässe ermöglicht, als bislang vermutet. Neue Dokumente belasten 35 weitere Firmen – darunter auch vier der weltweit größten Wirtschaftsprüfer.

Das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) hat am Dienstag weitere Unternehmen geannt, die Absprachen mit den Behörden des Großherzogtums Luxemburg haben sollen. Dazu gehören demnach der US-Unterhaltungskonzern Disney und der US-Mischkonzern Koch Industries. Sie hätten zwischen 2009 und 2013 Hunderte Millionen Dollar Gewinn durch in Luxemburg ansässige Tochterunternehmen geschleust, für die Steuersätze von weniger als einem Prozent gegolten hätten.

Das Luxemburger Finanzministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

International zahlreiche Unternehmen für ihre Steuertricks unter Druck

Den Informationen zufolge gründete Disney in Luxemburg eine konzerninterne Bank, die ihre Gewinne mit weniger als einem Prozent versteuerte. Der Internettelefondienst Skype bekam demnach seit dem Jahr 2005 einen Steuerrabatt von bis zu 95 Prozent auf Lizenzeinnahmen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete am Dienstag zudem vorab, auch der Internet-Telefondienst Skype und der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser, zu dem Marken wie Calgon und Clearasil gehören, hätten sich in Luxemburg lukrative Steuervereinbarungen gesichert.

Laut „SZ“ listet das ICIJ rund 50 Sonderregelungen mit 35 Unternehmen auf. Zudem hätten fast alle großen Beraterfirmen wie Deloitte, Ernst & Young und KPMG mit der Luxemburger Verwaltung kooperiert. Bisher war nur PricewaterhouseCoopers ins Visier geraten. Sämtliche von der „SZ“ genannten Unternehmen erklärten der Zeitung zufolge, sie hielten sich an die geltenden Gesetze.

Luxemburg verspricht Offenlegung von Details

Das Luxemburger Finanzministerium erklärte unterdessen, Einzelheiten der Steuervereinbarungen mit internationalen Firmen offenlegen zu wollen. Wenn Regierungen danach fragten, würden ihnen die Details der jeweiligen Übereinkommen zugänglich gemacht. Zuvor war in Belgien durchgesickert, dass im Januar entsprechende Informationen aus Luxemburg erwartet würden.

Die nun benannten Unternehmen setzen die Reihe von mehr als 340 Fällen fort, in denen multinationale Konzerne in Luxemburg Steuerzahlungen vermeiden und teilweise Milliarden sparen. Wegen der Affäre, die Anfang November bekannt wurde, war der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Bedrängnis geraten. Junker war etwa zwei Jahrzehnte Finanzminister und Regierungschef Luxemburgs.

Er habe sich „subjektiv gesehen“ nicht mehr vorzuwerfen als andere, sagte Juncker der französischen Zeitung „Libération“ vom heutigen Mittwoch. Dennoch fühle er sich objektiv gesehen „geschwächt“, denn durch die Dokumente erwachse der Eindruck, er sei an etwas beteiligt gewesen, das den „grundsätzlichen ethischen und moralischen Regeln“ widerspreche. 

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