Lufthansa und Gewerkschaften ringen weiter um Krisenpaket

Zeit zu sparen - die Lufthansa will in der Krise ihre Flotten verkleinern und hat nach eigener Darstellung derzeit 22.000 Vollzeitstellen zuviel an Bord. [Nate Hovee/ Shutterstock]

Die von der Corona-Krise hart getroffene Lufthansa will noch vor der entscheidenden Hauptversammlung am Donnerstag ein Sparprogramm für das fliegende Personal präsentieren. Parallel laufen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften.

Zum Wunschtermin von Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Montag war eine Einigung mit den Gewerkschaften noch nicht gelungen. Die bereits fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Flugbegleitergewerkschaft UFO liefen jedoch weiter. Am Donnerstag steht das milliardenschwere staatliche Rettungspaket für die Lufthansa zur Abstimmung. Großaktionär Heinz Hermann Thiele hatte den Plan kritisiert und könnte ihn mit seinem 15,5-prozentigen Anteil blockieren. Die Lufthansa würde dann womöglich ein Schutzschirmverfahren beantragen, ein Insolvenzverfahren mit Sanierungsziel.

Lufthansa stimmt Rettungspaket der Bundesregierung zu

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat den Vorschlägen der Bundesregierung und der EU-Kommission zugestimmt. Demnach wird der Konzern mit sechs Milliarden Euro vom Staat und drei Milliarden Euro Darlehen der KfW unterstützt, muss aber Flugslots abgeben.

Mit einer zügigen Einigung mit den Gewerkschaften über Einsparungen würde Lufthansa-Chef Spohr den Anteilseignern ein wichtiges Argument für deren Zustimmung zum Rettungspaket liefern. Die UFO-Spitze informierte ihre Mitglieder über einen Zwischenstand und äußerte sich zuversichtlich, rechtzeitig zu einem Abschluss zu kommen. “Das ist ein wichtiges Zeichen für Aktionäre”, sagte UFO-Geschäftsführer Nicoley Baublies. “Die Kabine als größte Einzelgruppe gibt einen Krisenbeitrag für die Beschäftigung.” Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Das Volumen der Personalkostensenkung bei den mehr als 20.000 Flugbegleitern der Lufthansa belaufe sich auf 700 Millionen Euro in der gesamten Krisenphase. Die Lufthansa werde im Gegenzug voraussichtlich einen Kündigungsschutz für vier Jahre zusagen. Eine Konzern-Sprecherin sagte, es gebe noch keine vorläufige Einigung. Sie wollte sich zu Inhalten der noch laufenden Gespräche nicht äußern.

Beschäftigte wollen demonstrieren

Die Lufthansa will in der Krise ihre Flotten verkleinern und hätte nach Darstellung des Unternehmens rein rechnerisch 22.000 Vollzeitstellen zuviel an Bord. Spohr bekräftigte am Wochenende in einer Mitarbeiterinformation, möglichst viele sollten über Kostensenkungen an Bord bleiben können. Insgesamt hat die Airline-Gruppe rund 138.000 Beschäftigte. Thiele kritisierte die 20-prozentige Staatsbeteiligung an der Lufthansa – zum einen, weil durch die Kapitalerhöhung der Wert seines Anteils verwässert wird, zum anderen äußerte er Bedenken über politische Blockaden bei einer Sanierung der Fluggesellschaft.

EU-Wiederaufbaufonds: Einigung über Finanzen soll es im Juli geben

Die Staats- und RegierungschefInnen der EU führten am 19. Juni „konstruktive“ Gespräche über den massiven Wiederaufbaufonds der EU zur Überwindung der Coronavirus-Krise und versprachen, trotz der enormen Differenzen im nächsten Monat eine Einigung zu erzielen.

Die rund 5000 Piloten hatten Gehaltseinbußen von 350 Millionen Euro über zwei Jahre angeboten. Ein Sprecher der VC erklärte, die Gewerkschaft wolle ebenfalls vor Donnerstag zu einer Einigung kommen. Doch es gebe noch viele offene Baustellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wartet hingegen ab, ob das Rettungspaket auf dem Aktionärstreffen durchkommt. Verhandlungen sind erst für Freitag geplant. Nach früheren Aussagen von Verdi-Vizechefin Christine Behle forderte die Lufthansa mehr als 20 Prozent Entgeltkürzung.

Die Gewerkschaften riefen unterdessen die Belegschaft zu Kundgebungen und Mahnwachen, um sich für die Rettung ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Die Industriegewerkschaft Luftverkehr kündigte Kundgebungen am Mittwochmittag vor der Konzernzentrale in Frankfurt sowie in München, Hamburg und Berlin an. “Wir wollen allen da draußen, die die Macht der Entscheidung über die Zukunft unserer Lufthansa, unserer Arbeitsplätze und Existenzen in der Hand haben, zeigen, wer wir sind und dass es sich lohnt die Lufthansa Group mit all Ihren Mitarbeitern zu retten!” Für den Morgen vor der virtuellen Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag, die um 12.00 Uhr beginnt, hat UFO die Beschäftigten zu einer Mahnwache vor der Zentrale aufgerufen nach dem Motto: “Die Lufthansa-Belegschaft steht zum Kranich!” In einer Insolvenz drohe der wirtschaftliche und soziale Kahlschlag, den alle Gewerkschaften zusammen verhindern müssten.

Keine Fortschritte nach angespanntem EU-China-Gipfel

Bei einem angespannten virtuellen Gipfeltreffen zwischen den Spitzen der EU und Chinas am Montag wurden in mehreren Schlüsselfragen keine greifbaren Fortschritte erzielt.

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