Laut ifo-Institut: Corona-Pandemie wird teuer für Deutschland

Deutsche Geschäfte müssen schließen - das führt zu massiven Produktionsausfällen. [ARMANDO BABANI/EPA]

Die Zahlen des ifo-Wirtschaftsinstituts sprechen eine deutliche Sprache: Das Coronavirus wird Deutschland mehrere hundert Milliarden kosten. Produktionsausfälle und Arbeitslosigkeit werden schmerzen – und der Staat muss tief in die Tasche greifen. Doch ifo-Chef Clemens Fuest stellt klar: Die Mehrausgaben sind „erwünscht und notwendig“.

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo) veröffentlichte heute (Montag) Berechnungen zu den Auswirkungen des Corona-Virus auf die deutsche Wirtschaft. Demnach drohen hunderte Milliarden Euro Produktionsausfälle, steigende Arbeitslosigkeit und ein saftiges Defizit im Staatshaushalt. Je nach Szenario soll die Wirtschaft zwischen 7,1, und 20,6 Prozentpunkte schrumpfen, das entspricht 255 bis 729 Milliarden Euro.

„Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. Er empfiehlt, „quasi jeden denkbaren Betrag für gesundheitspolitische Maßnahmen einzusetzen“, um die Teilschließung der Wirtschaft zu verkürzen und die Pandemie weiter einzudämmen.

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Zeit ist Geld

Diese Teilschließung der Wirtschaft wurde von der Regierung beschlossen, um das soziale Leben in Deutschland herunterzufahren und somit die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. So soll eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Bundesweit müssen Restaurants, Bars und Cafés geschlossen werden, außerdem Betriebe, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen nicht eingehalten werden kann – beispielsweise Friseur, Tattoo-Studios oder Massagepraxen.

In einzelnen Bundesländern gelten bereits schärfere Regeln, die zu einer weitreichenderen Disruption der Wirtschaftskreisläufe führt. In Bayern beispielsweise haben nur noch jene Betriebe offen, die für die alltägliche Versorgung nötig sind.

Der wichtigste Faktor zur Berechnung des wirtschaftlichen Schadens ist Zeit. Je schneller der Konsumkreislauf wieder anspringt, desto geringer werden die Kosten ausfallen. Fuest rechnet vor: Eine Woche Verlängerung der Teilschließung verursacht zusätzliche Kosten von 25 bis 57 Milliarden Euro oder einen Wachstumsrückgang von 0,7 bis 1,6 Prozentpunkten. Wie lange die Maßnahmen der Regierung anhalten müssen, kann aber niemand mit Gewissheit sagen.

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Goodbye, schwarze Null

Auch für den Arbeitsmarkt malt das ifo ein düsteres Bild. Was da komme, stelle „die Zustände auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Schatten“, sagt Fuest. In den ifo-Szenarien könnten bis zu 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (oder 1,4 Millionen Vollzeitjobs) abgebaut werden.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte bereits an, dass die schwarze Null in einer solchen Situation nicht zu halten sei. Denn der Staat wird laut ifo etwa 200 Milliarden zusätzlich ausgeben müssen – allerdings sind hier eventuell eingesetzte europäische Rettungsschirme noch nicht eingerechnet. Und Fuest betont: Die Mehrausgaben sind „erwünscht und notwendig“, um die deutsche Wirtschaft zu stabilisieren.

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