„Konjunkturkessel unter Dampf“: Deutsche Wirtschaft erholt sich laut IfW kräftig

"Der deutsche Konjunkturkessel steht unter Dampf", erklärte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. [FELIPE TRUEBA]

Die deutsche Wirtschaft erholt sich nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zusehends von ihrem Einbruch in der Corona-Pandemie und dürfte im dritten Quartal wieder Vorkrisenniveau erreichen.

Wie die Forscher am Donnerstag (17. Juni) mitteilten, dürften vor allem der Handel und „kontaktintensive Dienstleistungen“ wie etwa das Gastgewerbe von einem „Erstarken der privaten Konsumausgaben profitieren“. Die Erholung in der Industrie sei dagegen trotz sehr guter Auftragslage momentan durch Lieferengpässe gehemmt.

„Der deutsche Konjunkturkessel steht unter Dampf“, erklärte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. „Eine durch aufgestaute Kaufkraft und staatliche Konjunkturprogramme zusätzlich angefachte Nachfrage trifft auf ein auch durch Lieferengpässe limitiertes Angebot“. Alles in allem stünden die Zeichen so „auf kräftige Expansion“.

Dies treibe aber dort die Preise, wo Produktionskapazitäten noch nicht mit der anziehenden Nachfrage Schritt halten könnten, fügte Kooths hinzu. Zeitweilig könnten die Teuerungsraten nach IfW-Einschätzung bis zu vier Prozent erreichen; im Gesamtjahr 2021 sei mit einer Inflation von 2,6 Prozent zu rechnen.

Dabei sei das Klimapaket der Bundesregierung für 0,4 Prozentpunkte der Teuerung verantwortlich, die Rückkehr zu den alten Mehrwertsteuersätzen für 1,2 Prozentpunkte. 2022 dürfte die Inflation laut IfW dann bei 1,9 Prozent liegen. Von Zentralbanken als optimal für die Konjunktur angestrebt wird bei der Teuerung der Verbraucherpreise meist ein Wert von knapp unter, aber nahe zwei Prozent.

Insgesamt habe sich bei den privaten Haushalten in der Pandemie 200 Milliarden Euro Kaufkraft aufgestaut, von denen sich nach Einschätzung des IfW aber wohl nur ein kleiner Teil in nachholenden Käufen entladen wird. „Greifen die Konsumenten stärker auf ihr Finanzpolster zurück, wird das die Inflation noch weiter befeuern“, erklärte Kooths. Hierin liege kurzfristig die größte Gefahr für die Preisstabilität.

„Wir werden uns an höhere Teuerungsraten gewöhnen müssen, selbst wenn die Sondereffekte der Pandemie vorbei sind“, erklärte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. „Auch weil die Europäische Zentralbank nicht durch höhere Zinsen gegensteuern kann, ohne die Stabilität in hoch verschuldeten Ländern wie Italien zu gefährden“, fügte er hinzu. „Läuft die Inflation tatsächlich aus dem Ruder und zwingt die EZB zum Handeln, steht uns die nächste Eurokrise ins Haus.“

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartet das IfW in seiner jüngsten Konjunkturprognose für 2021 einen Zuwachs um 3,9 Prozent – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als zuvor angenommen. Für 2022 wird ein BIP-Wachstum von 4,8 Prozent erwartet.

Das Münchener Ifo-Institut hatte seine Konjunkturprognose am Mittwoch indes auf 3,3 Prozent für Jahr abgesenkt. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März angenommen. Dafür erhöhte das Institut seine Vorhersage für das kommende Jahr um 1,1 Punkte auf 4,3 Prozent. Kurzfristig dämpfend wirken laut Ifo vor allem die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten.

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