Konjunktur in der Euro-Zone verliert weiter Schwung

Foto: dpa

Die Euro-Zone verliert im Sommer deutlicher als erwartet an Schwung. Damit steigt die Chance, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik nochmals lockert.

Auch die deutsche Wirtschaft muss im August einen Rückschlag verkraften, der aber nicht so schlimm wie befürchtet ausfiel – anders als in China, wo die Industrie nur noch schwach wächst.

Der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft der Euro-Zone fiel um 1,0 auf 52,8 Punkte, wie das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 5.000 Industriefirmen und Dienstleistern mitteilte. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 53,4 Zähler erwartet. Das Barometer hielt sich aber den 14. Monat in Folge über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

„Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass die Konjunkturerholung im Euro-Raum weiterhin auf wackeligen Füßen steht“, sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. „Nach der Stagnation des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal ist auch aufgrund der Sanktionen zwischen EU und Russland im dritten Quartal ebenfalls nicht mit einer spürbaren Belebung zu rechnen.“

Volkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe macht dafür auch die Politik der Regierungen in Paris und Rom mitverantwortlich. „Frankreich und Italien haben es verpasst, Strukturreformen durchzuführen, die die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen“, kritisierte der Ökonom. „Die Wachstumshemmnisse dort kann die EZB nicht mit ihrer lockeren Geldpolitik aus dem Weg räumen.“ Mit der schwachen Konjunktur steige die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB über den Kauf von Wertpapieren mehr Geld in die Wirtschaft pumpe. Die Leitzinsen liegen bereits auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent.

Auch Deutschland musste im August einen Rückschlag verkraften, der aber nicht so stark ausfiel wie befürchtet. Der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft sank um 0,8 auf 54,9 Punkte. Das Barometer hielt sich aber den 16. Monat oberhalb der Wachstumsschwelle. Das Neugeschäft sei aber so stark wie seit neun Monaten nicht mehr gewesen. Markit-Ökonom Oliver Kolodseike hält die Daten deshalb für ermutigend: „Alles deutet daraufhin, dass die Konjunktur verlorenen Boden gut macht“. Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft und hatte bei einigen Volkswirten die Sorge vor einem Abrutschen in die Rezession aufkommen lassen.

Auf Rückenwind von der Weltkonjunktur kann sich die exportabhängige deutsche Wirtschaft allerdings nicht verlassen, wie der erneute Dämpfer für die chinesische Industrie zeigt: Ihr Wachstum kam im August nahezu zum Erliegen. Der dortige Einkaufsmanager-Index fiel überraschend deutlich um 1,4 auf 50,3 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit drei Monaten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.