Klimafinanzierung: Das Puzzle setzt sich zusammen

MdEP Bas Eickhout von der Europäischen Grünen Partei. [EPA-EFE/MARCEL VAN HOORN]

Während die Verhandlungsführer in Madrid versuchen, die Pattsituation bei der globalen Steuerung der Klimafinanzierung zu überwinden, signalisieren tektonische Veränderungen in der Realwirtschaft einen Wandel der Rahmenbedingungen für die Öl- und Gasindustrie. Der grüne Abgeordnete Bas Eickhout erklärte EURACTIV, warum diese Veränderungen Teil einer großen Bewegung sind, in der Europa an vorderster Front steht.

Es gibt immer noch keinen konkreten Text für den höchst umstrittenen Artikel 6 des Pariser Abkommens, der darauf abzielt, einen globalen CO2-Markt zu schaffen. Minister aus Neuseeland und Südafrika haben die Aufgabe, die festgefahrene Situation zu überwinden, während Länder wie Saudi-Arabien, Australien und Brasilien noch immer einen Fortschritt blockieren.

„In Bezug auf Artikel 6 werden wir darüber entscheiden, wie die Regeln für diejenigen Länder aussehen werden, die CO2-Zertifikate austauschen wollen. Man muss eine Doppelzählung vermeiden, und man muss angemessene Regeln haben. Wenn nicht, dann wird das Pariser Abkommen wirklich untergraben“, erklärte Bas Eickhout.

Europas Umwelt ist am "Tipping-Point"

Europa steht vor Umweltproblemen von „beispiellosem Ausmaß und Dringlichkeit“, so ein umfassender Überblick über Luft-, Land- und Wasserökosysteme, der am Mittwoch, den 4. Dezember, von der Europäischen Umweltagentur veröffentlicht wurde.

„Und leider gibt es einige Akteure, die das gerne tun würden. Australien, Saudi-Arabien, Brasilien: sie kämpfen eindeutig nicht für die ökologische Integrität der Regeln. Und wenn man das nicht hat, kann man viele Schäden anrichten“, warnte er.

Artikel 6 des Pariser Abkommens enthält drei separate Mechanismen für die „freiwillige Zusammenarbeit“ bei der Erreichung der Klimaziele: zwei auf der Grundlage von Märkten und ein dritter auf der Grundlage von „Nichtmarktansätzen“.

Der Text beschreibt die Anforderungen an die Teilnehmer, lässt aber die Details – das „Regelwerk“ nach Artikel 6 – unschlüssig. Das ist es, was in Madrid derzeit verhandelt wird. Bislang wenig bekannt und hochtechnisch, entwickelt sich Artikel 6 zu einem echten „auf Biegen und Brechen“ des Pariser Abkommens.

COP25: Was ist los in Madrid?

EURACTIV bietet einen Überblick über die Geschehnisse der 25. Weltklimakonferenz (COP25) in Madrid.

Veränderungen in der Privatwirtschaft

In der Zwischenzeit wendet sich die Finanzwelt langsam von den fossilen Brennstoffen ab. Investoren und Unternehmen erheben auf der COP25 ihre Stimme und fordern die Regierungen auf, ihre Klimaziele zu erhöhen und kohlenstoffarme Wirtschaftsweisen einzuführen.

Der mit Spannung erwartete Börsengang (IPO) des saudischen staatlichen Ölriesen Aramco blieb hinter den Erwartungen zurück. Das Börsendebut hat es einfach nicht geschafft, internationale Investoren zu begeistern: Internationale Roadshows wurden abgesagt, ebenso wie die Möglichkeit einer internationalen Notierung. Auch das Angebot wurde von fünf Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt.

Aramco wird seine Aktien am Mittwoch, den 11. Dezember, an der saudischen Börse notieren, nachdem der größte Börsengang seit Bestehen des Unternehmens absolviert wurde. Der Wert liegt jedoch unter dem von Kronprinz Mohammed bin Salman seit langem angestrebten Ziel von zwei Billionen Dollar.

US-Ökonom: "Haushaltsregeln sollten für grüne Investitionen nicht gelten"

Der Ökonom Jeremy Rifkin spricht im Interview über seine Hoffnungen in Bezug auf den „Green Deal“ der neuen EU-Kommission und ruft zu Klima-Erzählungen auf, die einen „echten Wandel“ in der Gesellschaft bringen können.

Aramco bezifferte seinen Börsengang mit 32 Riyals (7,71 Euro) pro Aktie, dem oberen Ende seiner indikativen Preisspanne. Das staatliche Unternehmen ist der weltweit größte Ölproduzent, der zehn Prozent des weltweiten Angebots fördert, sowie das profitabelste Unternehmen mit einem um 12 Prozent auf 42,35 Milliarden Euro gestiegenen Halbjahresüberschuss.

Auf der anderen Seite der Öl- und Gasfirmen verpflichtete sich Spaniens Repsol, sein Geschäftsmodell zu ändern. Repsol verpflichtete sich bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Diese Entwicklung zeigt eine wachsende Kluft zwischen Unternehmen, die klimabedingte finanzielle Risiken und Auswirkungen in ihre Geschäftsstrategie integrieren, und solchen, die dies nicht tun.

„Was dieser Börsengang zeigt, ist, dass der Markt zunehmend erkennt, dass fossile Brennstoffe immer weniger eine sichere Alternative sind. Die bisherige Vorstellung, dass fossile Brennstoffe eine sichere Investition sind, diese Art von Philosophie verändert sich grundlegend. Das ist die Erkenntnis aus diesem Börsengang“, betonte Bas Eickhout.

Der niederländische Gesetzgeber sagte, dass sich der Privatsektor zwar verändert, aber einen schnelleren Wandel bedarf. „Das Klima kann nicht warten“, sagte er.

„Diese Börsenzulassung ist immer noch eine große Investition in fossile Brennstoffe und sie ist nicht mit Paris im Einklang. Es zeigt, dass Vorschriften erforderlich sind“, fügte der Abgeordnete hinzu.

EU-Meilenstein: Vereinbarung grüner Kriterien für die Finanzierung

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und die finnische Ratspräsidentschaft haben sich am Donnerstag, den 5. Dezember, auf eine Taxonomie geeinigt, um zu ermitteln, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als „grün“ eingestuft werden können.

Europa an der Spitze

Die Leiterin der European Climate Foundation, Laurence Tubiana, eine der Architektinnen des Pariser Abkommens, teilte Journalisten am Montag, den 9. Dezember, mit, dass die große Nachricht bei der COP25 die EU sei. „Es gibt ein neues Team, einen neuen Green Deal und die Tatsache, dass das Klima jetzt von den verschiedenen europäischen Politikbereichen berücksichtigt wird“.

Eickhout wies darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft in Madrid auch sorgfältig prüft, was Europa im Bereich der nachhaltigen Finanzierung unternimmt.

„Bei der Finanzierung steht Europa heute wirklich an der Spitze der Wende. Die beiden kürzlich getroffenen Entscheidungen zur EIB und zur Taxonomie zeigen, dass Europa seine Gesetzgebung ändert“, erklärte er. Dies werde eindeutig erhebliche Auswirkungen auf andere Länder der Welt haben, fuhr Eickhout fort.

Die EU hat am Donnerstag, den 5. Dezember, ein Regelwerk für nachhaltige Investitionen verabschiedet. Dies ist die erste detaillierte Taxonomie dessen, was als nachhaltige Aktivität oder „grünes“ Produkt gilt.

Eickhout kritisiert Europas mangelnden Klima-Ehrgeiz

Europa zeigt sich zu Beginn der entscheidenden Phase der COP24 nicht in der Lage, in der Klimapolitik die Führung zu übernehmen, so Bas Eickhout.

Die Initiative wurde von Experten als „ein klares Signal“ bezeichnet, dass „nachhaltiges Investment zum neuen Mainstream werden sollte“. Dies ist zwar hochtechnisch, aber ein wichtiger Schritt nach vorn bei der Gestaltung der Investorenentscheidung und der Anpassung der Investitionen an das Pariser Abkommen.

„Dies ist von grundlegender Bedeutung, denn es gibt dem Finanzmarkt zum ersten Mal überhaupt eine klare Beschreibung dessen, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen. Nachhaltige Entwicklung gibt es seit 1987 [Hinweis: als der Brundtland-Bericht veröffentlicht wurde], aber in der Finanzwelt wurde sie nie identifiziert. Das ist ein großer Schritt, den wir machen“, so Eickhout.

Der niederländische Gesetzgeber betonte auch, dass die EIB, die sich bemüht, die erste Klimabank zu werden, das erste Finanzinstitut sein wird, das die Taxonomie einführt.

„Alles ist miteinander verbunden, Artikel 6 des Pariser Abkommens, die EU-Taxonomie, die Entwicklung der EIB zu einer Klimabank. Man kann sagen, dass wir die Punkte hier verbinden“, verdeutlichte er.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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