Kerber: Guldenmark als Lösung der Euro-Krise

Der deutsche Wirtschaftsjurist Markus Kerber (li.) und der niederländische Europaabgeordnete Derk Jan Eppink wollen eine "Guldenmark" parallel zum Euro einführen, um die starken Euro-Länder aus der Krise zu retten. Foto: Michael Kaczmarek

„Das Schlimmste steht uns noch bevor.“ Der Zusammenbruch der Euro-Zone lässt sich mit der jetzigen Rettungspolitik nicht verhindern, ist sich Markus Kerber sicher. Der Wirtschaftsjurist plädiert daher für die Einführung einer parallelen Zweitwährung zum Euro, der „Guldenmark“.

Markus Kerber ist ein strikter Gegner der bisherigen Euro-Rettungspolitik. Der Wirtschaftsjurist und Finanzwissenschaftler ist überzeugt, dass die Spaltung der Euro-Zone unvermeidbar ist. Die schwelende Debatte um die Einführung eines Nord-Euros (für die stabilitätsorientierten Euro-Länder) hat Kerber nun mit einem eigenen Konzept zur Reform der europäischen Währungsordnung ergänzt. Der Titel seines Konzepts: "Mehr Wettbewerb wagen".

Im Kern geht es Kerber, dem Gründer des Berliner Think-Tanks Europolis, um die Einführung einer parallelen Zweitwährung zum Euro. Die Guldenmark – in Anspielung auf die ehemaligen deutschen und niederländischen Nationalwährungen – ist dabei als Währungskonkurrent zum Euro konzipiert. Die neue Parallelwährung würde nur in stabilitätsorientierten Ländern eingeführt, sei aber prinzipiell für alle EU-Länder "nach Süden, nach Norden und nach Osten" offen.

Zu den potentiellen Guldenmark-Ländern (A-Mitgliedsstaaten) zählt Kerber Deutschland, die Niederlande, Finnland oder Österreich, da diese Länder über eine positive Außenhandelsbilanz verfügten. Sobald Frankreich, Spanien und Italien ihre Verschuldungsprobleme gelöst und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert haben, seien sie ebenfalls potenzielle Guldenmark-Länder.

Aufwertung und Abwertung

Die Guldenmark würde bei Einführung einem gewaltigen Aufwertungsdruck gegenüber dem Euro und anderen Währungen unterliegen. Dadurch könnten die A-Mitgliedsstaaten ihre Staatsschulden in Euro zu günstigeren Konditionen zurückzahlen. Gleichzeitig würde die Abwertung des Euro in den verbleibenden Euro-Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal zu verbesserter Wettbewerbsfähigkeit führen.

Fiskalunion der Guldenmark-Länder

Kerber plädierte dafür, beim Aufbau der Guldenmark-Zone aus den Fehlern der Euro-Einführung zu lernen. Die Guldenmark-Länder sollten daher eine Fiskalunion bilden, aus der jeder Mitgliedsstaat wieder austreten könne. Falls ein Mitglied sich vorsätzlich in eine Notlage bringe, wie Kerber das im Falle Griechenlands gegeben sieht, müsse auch ein erzwungener Ausschluss möglich sein. Ansonsten sollte das Prinzip der Solidarität gelten. Eine No-Bailout-Klausel, wie sie ursprünglich in den EU-Verträgen stand, halte er für "unrealistisch". Die Zentralbank wiederum sollte ausschließlich der Währungsstabilität verpflichtet sein.

Zusammengeführt, was nicht zusammengehört

"Wir haben in den zehn Jahren der Währungsunion versucht, etwas zusammenzufügen, was nicht zusammengehört", ergänzt Kerbers Unterstützer Derk Jan Eppink. Der niederländische Europaabgeordnete ist Mitglied der europaskeptischen Fraktion der Europäischen Konservative und Reformisten (ECR). Die bisherige Euro-Rettungspolitik führe, so Eppink, "zu einer Transferunion, in der Länder wie Deutschland und die Niederlande nur noch als Bankautomaten dastehen."

In Griechenland herrsche bereits Chaos und in Frankreich leugne man die wirtschaftspolitische Realität. "Die Franzosen wollen wie Gott in Frankreich leben und die Rechnung nach Deutschland schicken", so Eppink.

Eppink und Kerber zeigten sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag (10. Mai) enttäuscht von den "Denkverboten" in Brüssel oder Berlin, wo die Euro-Rettungspolitik als "alternativlos" verteidigt werde. Sie seien klare Befürworter der europäischen Integration, seien aber überzeugt, dass die Währungsgemeinschaft umgestaltet werden müsse. "Nicht die Euro-Zone ist die Grundlage der europäischen Innovation, sondern der Binnenmarkt", sagte Eppink.

Andreas Klinger, Michael Kaczmarek

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