Keine Bewegung im Opel-Streit

PSA-Chef Carlos Tavares. [EPA-EFE/CHRISTOPHE PETIT TESSON]

Peugeot-Chef Carlos Tavares demonstriert im Opel-Streit Härte. Im Konflikt um die Zukunft des Werks im thüringischen Eisenach scheinen die Positionen festgefahren.

Um den Rüsselsheimer Autobauer wieder auf Kurs zu bringen, seien intensive Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Metall nötig, kündigte Tavares am Dienstag auf der Hauptversammlung des französischen Unternehmens an. Die Gespräche könnten “in den kommenden Wochen etwas Lärm” verursachen. “Wir müssen das tun, was notwendig ist, um das Management wieder ins Zentrum des Systems zu bringen, damit Opel vom Management geleitet wird”, sagte Tavares. Die IG-Metall bekräftigte dagegen ihren Vorwurf, PSA halte sich nicht an die bestehenden Tarifverträge in Deutschland und biete den Standorten keine nachhaltige Perspektive.

PSA-Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon betonte, der Konzern bemühe sich weiter, bei der IG Metall Ausnahmeregelungen für die Opel-Tarife zu erreichen. Nach dem Willen von Opel-Gesamtbetriebsrat Wolfgang Schäfer-Klug soll es aber zuerst eine Art Bestandsgarantie geben, bevor über mögliche Einschnitte bei den Tarifen gesprochen wird. “Wir brauchen einen Zukunftsplan für Opel und wir wollen wissen, wie wir als deutsche Standorte in diesem Zukunftsplan vertreten sind”, sagte er bei einer Kundgebung in Eisenach. “Wenn das vorgelegt wird, (…) sind wir auch bereit, über vernünftige Zugeständnisse zu reden.”

Die komplexe Zukunft der Mobilität

Auf Einladung des Tagesspiegel und des Berliner EUREF-Campus diskutierten Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit über 1.200 Teilnehmern um die Zukunft der Mobilität.

Die Opel-Belegschaft liegt mit der neuen Muttergesellschaft wegen deren Sparplänen über Kreuz, die Verhandlungen sind festgefahren. Die Franzosen pochen auf Lohnkürzungen, um die Arbeitskosten bei Opel auf das niedrigere Niveau der gesamten Gruppe zu drücken. Der Betriebsrat wirft PSA Erpressung vor, da der Konzern damit droht, bereits gemachte Zusagen über Produktionslinien an den deutschen Standorten zurückzuziehen, wenn die Beschäftigten sich nicht zum Lohnverzicht bereit erklären. Damit wird eine Tarifvereinbarung unmittelbar attackiert.

Akut bedroht ist vor allem das Werk in Eisenach. Wenn PSA die Drohung wahr macht und dort künftig nur eines statt zwei Modellen fertigen lässt, würde das wohl jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten. Die thüringische Regierung und die Gewerkschaft IG Metall forderten am Dienstag auf einer Protestkundgebung Bestandsgarantien und ausreichende Investitionen für das Werk und seine 1800 Mitarbeiter.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee nahmen am Nachmittag in Eisenach an einem Protestmarsch mit 1400 Opel-Beschäftigten teil, wie ein IG-Metall-Sprecher sagte. Aus den anderen deutschen Werken in Rüsselsheim und Kaiserslautern waren ebenfalls Mitarbeiter gekommen

Hintergrund

PSA hatte den seit Jahren rote Zahlen schreibenden Autobauer Opel im vergangenen Jahr von General Motors übernommen. Nachdem PSA 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen nach einer Rosskur inzwischen Rekordrenditen vor.

Zum Jahresauftakt trugen Opel und die britische Konzernschwester Vauxhall maßgeblich zu einem Umsatzplus von 42 Prozent auf knapp 18,2 Milliarden Euro bei. PSA verkaufte insgesamt über eine Million Autos, fast ein Viertel davon kamen von den neuen Sparten in Deutschland und Großbritannien. Insgesamt belief sich die Absatzsteigerung auf 44 Prozent. Bei Opel und Vauxhall gab es zunächst keine Zahlen zur Entwicklung. Doch dass die beiden neuen Töchter einen zentralen Anteil an den steil gestiegenen Verkaufszahlen hatten, ergibt sich aus den Statistiken für Europa: Hier erhöhten die ursprünglichen Kernmarken Peugeot, Citroen und DS ihren Absatz um 8,7 Prozent, während er insgesamt - also mit Opel und Vauxhall - um fast 66 Prozent in die Höhe schoss.

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