Joachim Nagel übernimmt Bundesbank-Präsidentschaft in unruhigen Zeiten

Lindner lobte Nagel im Dezember als "erfahrene Persönlichkeit, die die Kontinuität der Bundesbank sichert". [EPA-EFE/MAURITZ ANTIN]

17 Jahre seiner Karriere verbrachte er bereits bei der Bundesbank, nun kehrt er zurück: Der Volkswirt Joachim Nagel übernimmt nach dem Rücktritt des bisherigen Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann die Führung der Deutschen Bundesbank.

Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhält er am Freitag (7. Januar) seine Ernennungsurkunde. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatten Joachim Nagel als neuen Präsidenten der Bundesbank vorschlagen.

Jens Weidmann, der die Bundesbank seit 2011 führte, hatte Ende Oktober überraschend seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt. Mit der Personalie Nagel traf die neu gewählte Ampel-Koalition ihre erste richtungsweisende finanzpolitische Entscheidung.

Lindner lobte Nagel im Dezember als „erfahrene Persönlichkeit, die die Kontinuität der Bundesbank sichert“. Angesichts der zuletzt angestiegenen Inflation wachse zudem „die Bedeutung einer stabilitätsorientierten Geldpolitik“.

Der 55-jährige Nagel trägt einen Doktortitel der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Karlsruhe und ist Mitglied der SPD. Seit November 2020 ist er stellvertretender Vorsitzende des Bankbereichs bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die unter anderem für die Kooperation von Zentralbanken weltweit zuständig ist.

In der Bundesbank ist Nagel kein Unbekannter: Bis 2016 verbrachte Nagel 17 Jahre seiner Karriere dort, sechs Jahre lang saß er auch im Vorstand. Verantwortlich war er unter anderem für den Zentralbereich Märkte und Informationstechnologie.

Als Nagel die Bundesbank 2016 verließ, um einen Posten bei der Förderbank KfW anzutreten, lobte Weidmann seine „Entschlossenheit“, seine „Kommunikationsfähigkeit“ und seine „detaillierten Kenntnisse der Finanzmärkte“. Vier Jahre lang war Nagel Teil des KfW-Vorstands, wo er für das internationale Geschäft zuständig war.

Die Führung der Bundesbank übernimmt Nagel in unruhigen Zeiten: Die Inflationsrate in Deutschland stieg zuletzt deutlich an, auf 5,3 Prozent im Dezember. Für das Gesamtjahr 2021 gab das Statistische Bundesamt einen Wert von 3,1 Prozent an, deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB).

Nagel wird als Bundesbankpräsident auch der Vertreter Deutschlands im EZB-Rat sein und mitverantwortlich für die Geldpolitik der Eurozone. Sein Vorgänger Weidmann war ein klarer Kritiker der lockeren Geldpolitik der EZB – und wurde im Entscheidungsgremium der EZB häufig überstimmt.

Sein vorzeitiger Rücktritt von der Zentralbankspitze wird von Beobachtern auch damit begründet. Eigentlich wäre Weidmanns Mandat bis 2027 gelaufen. Der enge Vertraute von Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte oft sein Unbehagen angesichts der geldpolitischen Entscheidungen der EZB.

Die Europäische Zentralbank kauft auch wegen der Corona-Pandemie große Mengen an Anleihen auf, um die Zinskosten für die Länder der Eurozone abzusenken. Weidmann befürchtete eine abnehmende Haushaltsdisziplin, insbesondere bei den am stärksten verschuldeten Eurostaaten.

Mit Joachim Nagel gewinne die Bundesbank einen „quasi-natürlichen“ und „internen“ Nachfolger für Weidmann, kommentiert Carsten Brzeski von der ING-Bank. Auch Nagel werde wohl, wie Weidmann, für eine eher konservative Geldpolitik eintreten, ist seine Einschätzung.

Nagel wird jedoch nicht die einzige deutsche Stimme im insgesamt 25-köpfigen Rat der EZB sein: Seit 2020 ist auch die  Wirtschaftswissenschaftlerin Isabel Schnabel Mitglied des EZB-Direktoriums.

Auch sie war für den Posten der Bundesbank-Präsidentin im Gespräch gewesen. Sie gratulierte Nagel nach Bekanntwerden seiner Nominierung im Dezember per Tweet – noch vor der offiziellen Bestätigung durch Finanzminister Lindner.

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