Italiens Staatsschulden schießen wegen Corona-Krise weiter in die Höhe

Draghi ging wegen der angekündigten Maßnahmen und Hilfen aber von einer "sehr starke Erholung" der Wirtschaft "in den kommenden Monaten" aus. [JOHN THYS]

Die ohnehin bereits enorme Staatsverschuldung Italiens ist in der Corona-Pandemie weiter stark angestiegen. Im ersten Quartal 2021 nahm das Land neue Schulden in Höhe von 13,1 Prozent der Wirtschaftsleistung auf, wie das nationale Statistik-Amt Istat am Donnerstag mitteilte.

Die Staatsausgaben stiegen demnach um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die Einnahmen um nur 1,4 Prozent wuchsen.

Traditionell macht Italien in den ersten drei Monaten immer am meisten Schulden. Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Anstieg aber erheblich. Zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Quartal 2020 hatte sich das staatliche Defizit auf 10,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) belaufen.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte im April ihre Defizitprognose für 2021 von 9,5 Prozent des BIP auf 11,8 Prozent angehoben. Grund ist ein ehrgeiziges Konjunkturprogramm.

Zugleich ist Italien der größte Empfänger der Mittel aus dem Corona-Aufbaufonds der EU. 191,5 Milliarden Euro des insgesamt 750 Milliarden Euro umfassenden Topfes sind für Italien reserviert. Gut ein Drittel davon soll Rom in Form direkter Zuschüsse erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Italien war das erste europäische Land, das im Februar 2020 massiv von der Coronavirus-Pandemie betroffen war. In der Folge verzeichnete es vergangenes Jahr mit einem Minus von 8,9 Prozent des BIP den stärksten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Staatsverschuldung wird Ende 2021 voraussichtlich fast 160 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen.

Draghi ging wegen der angekündigten Maßnahmen und Hilfen aber von einer „sehr starke Erholung“ der Wirtschaft „in den kommenden Monaten“ aus. Erst danach könne Italien „aus der hohen Verschuldung herauskommen“. Die italienische Wirtschaft zeigte zuletzt Anzeichen einer Verbesserung, die Nationalbank rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von fast fünf Prozent.

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