Italiens Gewerkschaften haben wütend auf das technische Dokument der Europäischen Kommission im Anhang zu den Frühjahrsempfehlungen reagiert.
In dem Dokument bezeichnet die Kommission den italienischen Entlassungsstopp – der im vergangenen Jahr eingeführt wurde, um den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken – als „nicht effektiv“.
Wenn die Maßnahme nun fortgesetzt würde, könne sie sich sogar als „kontraproduktiv“ erweisen, weil sie „notwendige Anpassungsprozesse in der Arbeitnehmerschaft behindern“ würde.
In Reaktion auf diese Sichtweise erinnerte der Generalsekretär der Gewerkschaft CGIL, Maurizio Landini: „Das Problem unseres Landes ist, dass es zu viel Prekarität gibt, nicht zu wenig.“ Die Aussagen der Kommission müsse man daher als „absolute Lüge“ ansehen.
Luigi Sbarra von der Gewerkschaft CISL fügte hinzu, dass die EU „die Realität in unserem Land nicht kennt. Uns droht eine veritable Lawine an Entlassungen.“ Daher sei die Verlängerung des Entlassungsverbots bis Oktober eine Maßnahme „mit gesundem Menschenverstand und ein Akt des Verantwortungsbewusstseins“.
Arbeitsminister Andrea Orlando beschwichtigte, bei dem Dokument handele es sich „nicht um eine offizielle Bewertung der Europäischen Kommission, sondern lediglich um eine Studie“. Ihm sei bewusst, dass es „unterschiedliche Bewertungen“ des Themas gebe. Die italienische Regierung diskutiere derweil weiter, wie schwerwiegende Auswirkungen auf die Beschäftigung im Land vermieden werden können, fügte Orlando hinzu.
Die italienische Zentralbank hatte kürzlich prognostiziert, dass wohl mehr als 570.000 Entlassungen drohen, sobald die Entlassungssperre aufgehoben wird.





