Italien plant Hilfspaket für die Bankenbranche

Das Hauptquartier der Monte dei Paschi di Siena. [Paolo Querci/shutterstock]

Die drittgrößte italienische Bank, die Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), steckt in der Klemme. Noch bis Jahresende muss sie eine milliardenschwere Kapitalerhöhung stemmen.

Die 1472 gegründete älteste Bank der Welt steckt seit Jahren in Schwierigkeiten. 2007 übernahm sie die Konkurrentin Antonveneta – und zahlte dafür rund das Doppelte des geschätzten Wertes. Kurz danach wurde Spitzenmanagern der BMPS Betrug und Missbrauch von Geldern vorgeworfen. In den nächsten Jahren fuhr die Bank teils horrende Verluste ein und unterwarf sich einem strengen Sparplan. 2015 gelang erstmals wieder ein Gewinn.

Doch die Bank sitzt weiterhin auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die vermutlich niemals zurückgezahlt werden. Das Gesamtvolumen beträgt etwa 45 Milliarden Euro. Beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) Ende Juli schnitt die BMPS am schlechtesten ab.

Rettung in Sicht?

Die BMPS will sich von 27,6 Milliarden Euro an faulen Krediten trennen und eine Kapitalerhöhung bis zu fünf Milliarden Euro organisieren. Eine Milliarde Euro kam bereits durch die freiwillige Umwandlung von Anleihen in Aktien zusammen. Dies soll fortgesetzt werden und könnte nach italienischen Medienberichten weitere ein bis zwei Milliarden Euro bringen. Demnach könnte außerdem der katarische Staatsfonds eine Milliarde Euro investieren.

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Der Bank fehlt es vor allem an zwei Dingen: dem Vertrauen der Investoren und Zeit. Seit 2014 hat die BMPS mit zwei Kapitalerhöhungen bereits acht Milliarden Euro eingenommen – dieses Geld hat sich praktisch in Rauch aufgelöst. Somit ist die Bank für Investoren wenig attraktiv. Hinzu kommt die schwierige politische Lage in Italien. Zugleich läuft der BMPS die Zeit davon: Bis 31. Dezember muss sie auf Geheiß der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Rekapitalisierung gestemmt haben. Einen Antrag auf Verlängerung der Frist um drei Wochen lehnte die EZB ab.

Der Plan B ist staatlich

Was passiert, wenn der Rettungsplan scheitert? Dann schreitet womöglich die italienische Regierung ein. Regierungschef Paolo Gentiloni sagte am Montagabend, es werde ein Hilfspaket für die Bankenbranche von bis zu 20 Milliarden Euro vorbereitet.

Von dem Paket könnte die BMPS als erste profitieren. Die Staatshilfe würde auf dem Wege der sogenannten präventiven Rekapitalisierung erfolgen. Das bedeutet, dass sich Aktionäre und Besitzer von nachrangigen Anleihen an der Rettung zu beteiligen müssten. Allerdings besitzen viele Kleinanleger solche nachrangigen Anleihen, die in Aktien umgewandelt werden müssten und den Anlegern Verluste bringen würden.

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Die Regierung will das verhindern – im vergangenen Jahr hatte ein ähnliches Rettungsprogramm für vier kleinere Banken zu öffentlichen Protesten und mindestens einem Suizid geführt. Denkbar scheint daher, dass die Regierung die Anleihen aufkauft. Eine andere Variante wäre, dass die Anleihen zwar in Aktien umgewandelt werden, die Verluste der Kleinanleger aber mit Steuergeldern ausgeglichen werden.

Die BMPS ist nicht der einzige Problemfall. Insgesamt gilt der italienische Bankensektor als problematisch – mit rund 700 Instituten ist er stark fragmentiert, zudem schultern die Banken rund 360 Milliarden Euro an faulen Krediten und haben vielfach zu wenig Eigenkapital.

Manche Institute sind gut aufgestellt  – so erhielt etwa die Intesa Sanpaolo eine der besten Noten beim EBA-Stresstest. Dagegen musste die unter faulen Krediten ächzende Unicredit kürzlich einen Sanierungsplan vorlegen, der unter anderem rund 14.000 Stellen kostet.

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