Ist Kroatien bereit für den Euro?

Ist Kroatien bereit für den Euro? (Im Bild: Die Kathedrale von Zagreb.) [Shutterstock]

Seit zwei Jahren ist der mögliche Beitritt Kroatiens zur Eurozone Gesprächsthema unter Führern aus Politik und Wirtschaft sowie unter den Bürgern des Landes. EURACTIV Kroatien berichtet.

Viele kroatische Bürger sind besorgt, dass durch die Einführung des Euro die Preise steigen könnten. Diese Bedenken überlagern in den meisten Diskussionen die möglichen Vorteile der Gemeinschaftswährung.

Im Wesentlichen haben die Bürger des Balkanstaats, der 2013 der EU beigetreten war, den Euro in ihrem Alltag aber bereits eingeführt. So werden die größten Teile ihrer Ersparnisse in der gemeinsamen Währung gehalten. Der Euro ist auch die beliebteste Währung für den Kauf von größeren und höherpreisigen Anschaffungen wie Autos und Wohnungen.

Die meisten Bürger erinnern sich noch immer an die kroatische Hyperinflation und vertrauen dem Euro mehr als der heimischen Kuna.

Gleichzeitig befürchten sie aber, dass ein Rückgang des Lebensstandards unvermeidlich sein wird, wenn Kroatien die einheitliche Währung einführt. Deshalb verlangen die Bürger Antworten auf Fragen wie: „Sind unsere Befürchtungen berechtigt“, „Was bedeutet die Einführung des Euro für den Alltag in Kroatien“ und „Wie gut kommen wir bei der Einführung des Euro voran“?

Kroatiens Regierung will den Euro

Die kroatische Regierung hat eine Strategie verabschiedet, die den Wechsel zur Gemeinschaftswährung innerhalb von fünf bis sieben Jahren vorsieht. Die Opposition kritisiert den Plan.

Angst vor steigenden Preisen

Das vielleicht beste Beispiel für die möglichen Auswirkungen der Euro-Einführung finden sich auf der anderen Seite der Grenze Kroatiens: Das benachbarte Slowenien hatte die Währung 2007 eingeführt. Die durchschnittliche jährliche Preissteigerung betrug damals 3,8 Prozent und lag damit nicht wesentlich über dem durchschnittlichen Preisanstieg in Kroatien (2,9 Prozent). Im folgenden Jahr stiegen die Preise in Kroatien sogar stärker als in Slowenien.

Einen etwas deutlicheren Preisanstieg verzeichneten die slowenischen Restaurants und Kneipen. Dies muss in Kroatien jedoch nicht unbedingt der Fall sein, da die boomende Tourismusindustrie in den Küsten- und Großstädten die Preise bereits weitgehend auf das Niveau der Eurozone gebracht hat.

Nach einer Bewertung der Europäischen Kommission wuchs das Gehaltsniveau in Slowenien im Zeitraum 2007/08 durchschnittlich um sieben Prozent.

Währungssouveränität

Zahlreiche Gegner des Euro führen das Argument der Währungssouveränität an (die Möglichkeit, den Kuna-Wechselkurs in Zeiten einer Rezession anzupassen). Realistisch gesehen ist die Möglichkeit einer Abschwächung der Kuna jedoch aufgrund der hohen Verschuldung in Fremdwährungen äußerst begrenzt.

Die Gesamtkosten für die Einführung des Euro beinhalten auch einmalige Kosten, die unmittelbar vor und in der kurzen Zeit danach anfallen würden, beispielsweise die Beschaffung und Herstellung von Banknoten, deren Verteilung sowie Rücknahme von Kunabanknoten und -münzen.

Es wird jedoch geschätzt, dass die Summe dieser Kosten 0,5 Prozent des BIP nicht übersteigt.

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Die polnische Opposition will im Fall eines Sieges bei den Wahlen im Herbst die geplante Euro-Einführung in dem Land auf Eis legen.

Gleichzeitig ergeben sich durch die Einführung des Euro eine Reihe von Vorteilen, die über einen längeren Zeitraum spürbar sein würden.

Die Beseitigung des mit der Kuna verbundenen Wechselkursrisikos gegenüber dem Euro ist sicherlich der Hauptvorteil des Beitritts zur Eurozone. In diesem Zusammenhang könnte die Einführung des Euro mit seiner Verringerung der Unsicherheiten hinsichtlich der Wechselkurse und anderer informeller Hindernisse für Investitionen dazu beitragen, ausländische Investments anzuziehen.

Die gemeinsame Währung würde sich auch positiv auf die Risikobewertung des Landes auswirken, was wiederum die Finanzierungskosten senken könnte.

Darüber hinaus würden die kroatischen Zinssätze mit der Einführung des Euro an das Niveau der Eurozone herangeführt – was zu niedrigeren Kreditzinsen für Bürger und Unternehmen führen würde.

Auch die Kosten für Devisentransaktionen zwischen Kuna und Euro, die derzeit auf rund 0,3 Prozent des BIP geschätzt werden, würden verschwinden.

Kroatien ist fast beitrittsbereit

In einem Bericht vom Mai stellt die Europäische Kommission fest, dass Kroatien fast alle formellen Kriterien für einen Beitritt zur Eurozone erfüllt. Einzig eine mindestens zweijährige Mitgliedschaft unter dem Europäischen Wechselkursmechanismus (ERM II) ohne signifikante “Wechselkursschwankungen”, sprich: Abweichungen von den vorher vereinbarten Wechselkursen, fehlt noch.

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Während ein tatsächlicher Beitritt Kroatiens noch nicht festgelegt ist, könnte es bereits in vier Jahren soweit sein. Die Wechselkursschwankungen sind bereits heute stabil im Rahmen der üblichen ERM II-Grenzen.

Der Beitritt hängt allerdings auch von weiteren (politischen) Faktoren ab, allen voran die tatsächliche Entscheidung Zagrebs, einen Antrag auf Mitgliedschaft im ERM II zu stellen, sowie die Zeit, die Kroatien in diesem Mechanismus verbringen würde.

Darüber hinaus sind auch der politische Wille und die Unterstützung der übrigen Mitgliedstaaten entscheidend. Eine Ausweitung der Eurozone dürfte zu großen Teilen von den dann vorherrschenden wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen abhängen.

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