Immer weniger Polen wollen den Euro

Immer weniger erstrebenswert für die Polen: Der Euro-Beitritt. Foto: mammal (CC BY-NC-SA 2.0)

In der polnischen Bevölkerung sinkt die Zustimmung zu einem Euro-Beitritt laut einer Studie stetig. Auch die Regierung des Landes will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung der Gemeinschaftswährung festlegen.

Polen kann sich immer weniger für den Beitritt zur europäischen Gemeinschaftswährung Euro begeistern. Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von CBOS zufolge sind 68 Prozent der Bürger gegen den Umstieg auf die Gemeinschaftswährung und 24 Prozent dafür. Seit Februar 2013 sei der Zustimmungswert damit um fünf Prozentpunkte gesunken, teilte das Meinungsforschungsinstitut mit. Dies sei „eine der niedrigsten Werte in der Geschichte unserer Umfragen“.

Den Angaben zufolge erwarten 64 Prozent der Polen höhere Preise nach einer Euro-Einführung. Die Regierung in Warschau bereitet sich zwar auf den Beitritt zur Euro-Zone vor, hat jedoch keinen Termin genannt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten bezweifeln, dass es in diesem Jahrzehnt geschehen wird.

Eine vom Marktforschungsunternehmen GfK durchgeführte Studie hatte im Oktober festgestellt, dass 38 Prozent der Polen „entschieden“ gegen die Übernahme der Gemeinschaftswährung sind, während weitere 38 Prozent „eher dagegen“ stehen.

Die Regierung des Landes stellte dennoch klar, dass damit die Beitrittswünsche Polens nicht vom Tisch seien. Das Land habe die grundsätzliche Entscheidung über den Beitritt zur Eurozone bereits vor zehn Jahren getroffen und rücke davon nicht ab, sagte Außenminister Grzegorz Schetyna am Donnerstag bei der Vorstellung des außenpolitischen Konzepts für das kommende Jahr im polnischen Parlament. Es sei aber zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen. „Erst müssen wir die Reform der eigenen Wirtschaft beenden und uns versichern, dass die Wirtschafts- und Währungsunion stabil und sicher ist“, sagte Schetyna.

Regierung zögert Beitritt hinaus

Die Stimmung innerhalb der polnischen Bevölkerung entspricht damit dem Kurs vieler polnischer Regierungsvertreter. Der stellvertretende Regierungschef und Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski etwa hatte in einem Radiointerview im Oktober gesagt: „Wir werden frühestens nach 2020 der Euro-Zone beitreten.“ Ähnlich hatte sich auch die neue Regierungschefin Ewa Kopacz geäußert. Auch ihr nach Brüssel gewechselter Vorgänger Donald Tusk hatte sich nicht auf ein konkretes Beitrittsdatum zum Euro festlegen wollen.

Kopacz hatte kürzlich strenge Bedingungen für eine Ablösung der Landeswährung Zloty benannt. Man könne sich zwar dauerhaft nicht vorstellen, dass Polen außen vor bleibe, stellte sie vor einigen Wochen klar. Dazu müssten aber zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Eine sichere und krisenfreie Euro-Zone und eine gut aufgestellte, stabile polnische Wirtschaft.

Polen ist eines der jüngeren EU-Mitglieder, die sich langfristig für den Beitritt entscheiden müssen. Die EU-Verträge verpflichten sie dazu, der Währungsunion letztlich beizutreten. Estland, Lettland, Slowenien und die Slowakei gehören ebenfalls zu diesen Ländern und sind bereits in der Eurozone. Kommendes Jahr tritt auch Polens Nachbarland Litauen als 19. Staat der europäischen Gemeinschaftswährung bei.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN