Hindernisse auf dem Weg zu grünen Kapitalmärkten

Das Finanzviertel La Défense im Westen von Paris. [Ian Langsdon/EPA-EFE]

Neue Studien deuten darauf hin, dass bei der Finanzierung der grünen Wende in der EU noch viel zu tun ist, wenn die privaten Kapitalmärkte eine Rolle spielen sollen.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission benötigt die EU jährlich rund 520 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen, um ihr Emissionsziel für 2030 zu erreichen.

Ein Teil dieser Mittel wird aus öffentlichen Mitteln stammen müssen, doch die EU-Kommission rechnet auch mit privaten Akteuren, die den Übergang finanzieren.

„Wir werden die richtigen regulatorischen Anreize schaffen, damit grüne Investitionen erfolgreich werden“, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission Valdis Dombrovskis, als die Kommission Anfang 2020 einen Plan zur Finanzierung der grünen Wende vorstellte.

In der Zwischenzeit hat die Kommission eine Taxonomie vorgeschlagen, um zu definieren, welche Art von wirtschaftlichen Aktivitäten als grün gelten sollten, sowie eine Offenlegungsverordnung für die Nachhaltigkeit von Unternehmen und einen Standard für grüne Anleihen.

Die Struktur der europäischen Finanzmärkte könnte dem jedoch im Wege stehen. Europäische Unternehmen verlassen sich bei ihrem Finanzierungsbedarf weitgehend auf Bankkredite statt auf Eigenkapital.

Forscher der Europäischen Zentralbank (EZB) haben festgestellt, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in Volkswirtschaften mit einer relativ hohen Eigenkapitalausstattung geringer sind.

„Aktienmärkte führen zu einer Umverteilung von Investitionen in weniger umweltschädliche Sektoren“, schreiben die Forscher und fügen hinzu, dass sie auch kohlenstoffintensive Sektoren zur Einführung umweltfreundlicherer Technologien drängen würden.

In einer politischen Studie für das Centre for European Policy Research argumentieren Karel Lannoo und Apostolos Thomadakis daher, dass tiefere europäische Kapitalmärkte, und insbesondere tiefere Aktienkapitalmärkte, eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der grünen Wende spielen werden.

„Maßnahmen zur Vertiefung der EU-Kapitalmärkte spielen eine wichtige Rolle bei der Stimulierung privater Finanzierungen. Sie sind unerlässlich, um sowohl Innovationen in der Frühphase als auch die Skalierung vielversprechender Unternehmen zu erleichtern“, heißt es in der Studie.

Insbesondere plädieren sie für stärkere Märkte für Risikokapital, wo der Unterschied zwischen der EU und den USA besonders auffällig ist.

Während sich die kumulierten Investitionen von Business Angels, Risikokapital und privatem Beteiligungskapital in den USA im Jahr 2020 auf 242 Milliarden Euro beliefen, erreichten sie in der EU nur 20 Milliarden Euro.

In der Studie wird argumentiert, dass sich das Problem durch den Brexit verschärft hat, da die Kapitalmärkte im Vereinigten Königreich weiter entwickelt sind als in der EU-27.

Der Studie zufolge sind die Gründe für die Unterentwicklung der EU-Risikokapitalmärkte die Zersplitterung des Marktes und der Home Bias der Anleger. Außerdem sind die Kosten für die Teilnahme an diesen Märkten für die Haushalte viel höher als in den USA, was ein Zeichen für einen schwächeren Wettbewerb in Europa sein könnte.

Im Mai 2021 forderte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer Rede eine „grüne Kapitalmarktunion für Europa“. Die Analyse von Lannoo und Thomadakis legt nahe, dass dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt.

Es wird jedoch erwartet, dass die EU-Kommission einen Vorschlag für einen „Freibetrag als Anreiz gegen eine Bevorzugung der Fremd- gegenüber der Eigenkapitalfinanzierung“ (DEBRA) vorlegen wird, um diesem Ziel näher zu kommen.

DEBRA zielt darauf ab, Unternehmen zu ermutigen, ihre Investitionen durch Eigenkapital statt durch Fremdkapital zu finanzieren, indem es dafür sorgt, dass die Eigenkapitalfinanzierung für Unternehmen weniger kostspielig wird.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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