Handelsabkommen: Trump setzt Kanada unter Druck

Die Handelsbeziehungen in Nordamerika werden derzeit neu verhandelt. [shutterstock/Marc Bruxelle]

Nach der vorläufigen Einigung mit Mexiko auf ein neues Handelsabkommen setzt US-Präsident Donald Trump nun Kanada unter Druck – und droht mit Zöllen.

Sollte der Nachbar im Norden nicht ebenfalls einer Überarbeitung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zustimmen, würden Zölle auf Fahrzeuge und Zulieferer erhoben. „Ich denke ehrlich gesagt, mit Kanada ist es am einfachsten, ihre Autos mit Zöllen zu belegen“, sagte Trump.

Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland wurde am Dienstag zu Handelsgesprächen in Washington erwartet. Ein US-Regierungsvertreter betonte, es gebe die Chance, dass bis Freitag eine Einigung stehe.

In der mit Mexiko erzielten Vereinbarung ist festgelegt, dass der vorgeschriebene Anteil nordamerikanischer Komponenten in der Autoindustrie von 62,5 auf 70 Prozent steigt. Zudem sollen 40 bis 45 Prozent der Teile von Arbeitern hergestellt werden, die mindestens 16 Dollar pro Stunde verdienen. Das zielt darauf ab, Verlagerungen in das Niedriglohnland Mexiko zu verhindern. Das Abkommen soll 16 Jahre laufen und nach jeweils sechs Jahren überprüft werden.

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An der Börse wurde das Abkommen zwischen den USA und Mexiko positiv aufgenommen, da es die Gefahr eines Handelskrieges zwischen den drei nordamerikanischen Ländern vorerst bannt. Die US-Aktienindizes S&P 500 und Nasdaq erklommen neue Höchststände. Besonders die Kurse von Autobauern zogen an. Deutsche Hersteller wie Volkswagen profitieren ebenfalls von einem reibungslosen Handel zwischen den USA und Mexiko, denn sie verkaufen in Mexiko produzierte Fahrzeuge auf dem US-Markt. Volkswagen-Papiere verteuerten sich am Dienstag um rund 2,5 Prozent. Auch in Kanada produzierte Fahrzeuge großer Konzerne wie Toyota oder Ford werden in die USA geliefert.

Die jetzige Einigung nährt auch die Hoffnung, dass ein Ausufern des Handelskonfliktes zwischen den USA und China verhindert werden kann. Gleiches gilt für die EU und die USA – hier herrscht zumindest bei den angedrohten Sonderzöllen auf Autos seit Ende Juli ein Waffenstillstand. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Trump sprachen sich nach einem Telefonat für eine Entschärfung des Handelsstreits aus. Beide hätten erklärt, sie unterstützten laufende Gespräche zwischen der EU und den USA über den Abbau von Hindernissen für eine vertiefte Handelsbeziehung, wie das US-Präsidialamt mitteilte.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU ist nach den Worten von Bundesaußenminister Heiko Maas mit der jüngsten Absprache von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Trump noch nicht beigelegt. „Gelöst ist das Problem damit noch nicht“, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Die von den USA erhobenen Zölle und andere Handelsbeschränkungen seien nichts anderes als Protektionismus. Maas forderte die USA auf, ihre Zölle gegen die Europäer dauerhaft auszusetzen und die Drohungen gegen die EU-Autoindustrie zurückzunehmen.

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Trump und Mexikos scheidender Präsident Enrique Pena Nieto erklärten, Gespräche mit Kanada würden schon in Kürze beginnen. Ein Sprecher des kanadischen Außenministeriums sagte, Kanada stehe in regelmäßigem Kontakt mit seinen Verhandlungspartnern und arbeite auf eine neue Vereinbarung hin. Allerdings werde das Land eine Übereinkunft nur dann unterzeichnen, wenn sie auch gut für Kanada sei.

Der Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko hat ein Volumen von mehr als einer Billion Dollar jährlich. Die ursprüngliche NAFTA-Vereinbarung stammt aus dem Jahr 1994. Die Verhandlungen über eine Reform des Vertragswerks haben sich über ein Jahr hingezogen.

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