Handelsabkommen: Mexiko gewinnt ‘Käsekrieg’ gegen EU

Der Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Phil Hogan bei einer Pressekonferenz zum Handelsabkommen EU-Mexiko am gestrigen Montag. [European Commission]

Die EU und Mexiko haben am Samstag eine politische Einigung erzielt, die den europäischen Landwirten neue Märkte eröffnet. Doch die spanischen Manchego-Produzenten fühlen sich von der EU im Stich gelassen.

Das Abkommen sei „sehr positiv für unseren Agrar- und Ernährungssektor: Es schafft neue Exportmöglichkeiten für unsere hochwertigen Lebensmittel und Getränke, was wiederum zu Arbeitsplätzen und Wirtschaftstätigkeit in ländlichen Gebieten führen wird,“ erklärte Landwirtschaftskommissar Phil Hogan am gestrigen Montag.

Europa und Mexiko müssen noch einige technische Details klären, bevor das Abkommen ratifiziert werden und in Kraft treten kann.

Aber wie bei jedem Handelsgeschäft werden nicht alle davon profitieren.

„Wir wurden als Tauschobjekt benutzt,“ beklagt sich Martin Esteso, verantwortlich für die geografische Angabe „Manchego“ innerhalb des ASAJA, Spaniens größtem Bauernverband, gegenüber EURACTIV.

Während der Milchsektor einer der schwierigsten Bereiche war, in dem man sich schließlich aber einigen konnte, blieb der Manchego-Käse lange Zeit Stolperstein zwischen den beiden Verhandlungspartnern.

Der EU ist es gelungen, Exklusivrechte für insgesamt 340 Produkte mit geografischer Angabe zu sichern, darunter Comté (Frankreich) und Queijo Sao Jorge (Portugal). Infolgedessen dürfen nur die EU-Erzeugnisse unter diesen Namen verkauft werden.

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Ärger bei Manchego-Produzenten

Die europäischen Verhandlungsführer haben es aber nicht geschafft, den gleichen Schutz für die spanischen Landwirte aus La Mancha und ihren Manchego zu sichern. Innerhalb der EU genießt der Käse den Status eines geschützten geografischen Produkts.

Mexikanischer Manchego macht derweil fast 15 Prozent des gesamten Käseabsatzes in Mexiko aus. Daher ist es verständlich, dass dieser wertvolle Name nicht den Europäern „geschenkt“ werden sollte.

Während der mexikanische Manchego aus Kuhmilch hergestellt wird, wird für den spanischen Käse Milch von Mutterschafen der Manchego-Rasse verwendet. Die Herstellung des mexikanischen Käses dauert etwa eine Woche, das spanische Produkt kann mehr als zwei Monate in Anspruch nehmen.

Landwirte in La Mancha argumentieren, diese Merkmale garantierten eine besondere Qualität, die sich auch im Preis widerspiegele. In den USA, wo beide Produkte mit harten Bandagen kämpfen, um die Gunst der Verbraucher zu gewinnen, kostet spanischer Manchego etwa 14 Dollar pro Pfund – doppelt so viel wie sein mexikanisches Pendant.

Als Teil des Abkommens muss Mexiko deutlich machen, dass sein Manchego-Käse in keinem Zusammenhang mit der geschützten EU-Angabe steht. Außerdem dürfen mexikanische Landwirte ausschließlich Kuhmilch verwenden.

Hogan war scheinbar davon ausgegangen, dass diese Anforderungen ausreichen würden, um die spanischen Landwirte zufriedenzustellen. „Ich denke, dass die Bauern in Mexiko in Bezug auf die Manchego-Käse-Regelung glücklich sind, und die Spanier wären auch zufrieden“, sagte er gegenüber Reportern.

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Aber Martin Esteso und seine Kollegen in La Mancha sind deutlich anderer Meinung: „Das ist Unsinn, natürlich sind wir unzufrieden,“ betont er.

„Das wäre ein großer Schlag für uns und unsere Exporte. Denn jetzt könnten die Mexikaner unter diesem Namen ins Ausland verkaufen,“ warnt Esteso, dessen Familie ebenfalls Manchego-Käse herstellt.

Zusätzliche Informationen auf den Käseverpackungen würden nicht ausreichen, glaubt er. Die Verbraucher würden eher damit reagieren, gar keinen Manchego zu kaufen, um Täuschungen zu vermeiden.

ASAJA besteht daher darauf, die Exklusivrechte als „Manchego“-Produzenten zu behalten.

„Die Kommission spricht immer wieder vom Schutz der lokalen Produkte. Das erreichen Sie, indem Sie Ihre Originalprodukte schützen. Dieses Abkommen stellt für uns genau das Gegenteil dar,“ fügt Esteso hinzu.

Weiter kritisiert er, die Europäer müssten die geografischen Angaben Mexikos, beispielsweise Tequila, respektieren – also sollte dasselbe auch für Manchego gelten: „Noch mehr, wenn man bedenkt, dass unser Manchego sehr viel anerkannter und bekannter ist als ihrer.“

Die Gewinner

Im Rahmen des Abkommens werden andere Käsesorten, darunter Gorgonzola und Roquefort, präferierten Zugang zum mexikanischen Markt bekommen. Dabei werden Quoten von 5.000 Tonnen Frischkäse und 20.000 Tonnen für andere Käsesorten festgelegt. Derzeit gelten für beide Käsesorten Importzölle von 45 Prozent.

Insgesamt 30.000 Tonnen Milchpulver werden ebenfalls von den bestehenden 50-Prozent-Zöllen befreit. Darüber hinauss soll diese Quote innerhalb von fünf Jahren auf 50.000 Tonnen gesteigert werden.

Durch das Abkommen werden auch die Zölle für Schokoladeerzeugnisse und Teigwaren, die derzeit bei 30  bzw. 20 Prozent liegen, abgeschafft. Außerdem sollen mit dem neuen Abkommen praktisch alle Schweinefleischerzeugnisse zollfrei sein.

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