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18/01/2017

Griechenland: Gläubiger streiten mit Athen über Beschlagnahme von Immobilien

Finanzen und Wirtschaft

Griechenland: Gläubiger streiten mit Athen über Beschlagnahme von Immobilien

Die internationalen Gläubiger fordern von Griechenland Beschlagnahmungen von Immobilien.

[dronepicr/Flickr]

Die griechische Regierung sträubt sich gegen Forderungen der internationalen Geldgeber, durch die Beschlagnahmung von Immobilien zur Refinanzierung des angeschlagenen Bankensektors beitragen. Vom Ergebnis des aktuellen Besuchs der Gläubiger hängt ab, ob Athen eine weitere Hilfstranche von zwei Milliarden Euro erhält. 

Bei den Gesprächen der griechischen Regierung mit den Vertretern der internationalen Kreditgeber hat deren Forderung, die Beschlagnahme von Immobilien verschuldeter Haushalte zu erleichtern, für Streit gesorgt. Bei einem Treffen der Kreditgeber-Institutionen mit Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis habe es keine Einigung gegeben, verlautete am Donnerstag aus griechischen Regierungskreisen. Bei den weiteren Gesprächen vor Ende des Besuchs der Gläubiger-Vertreter am heutigen Freitag werde das Thema nicht mehr zur Sprache kommen.

Seit Mittwoch sind Delcan Costello von der Europäischen Kommission, Rasmus Rüffer von der Europäischen Zentralbank (EZB), Nicola Giammarioli vom Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und Delia Velculescu vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen. Sie sollen die Fortschritte bei der Umsetzung der Spar- und Reformvorgaben überprüfen, denen Athen im Juli im Gegenzug für weitere Finanzhilfen von 86 Milliarden Euro zugestimmt hatte. Vom Ergebnis des Besuchs hängt ab, ob die Gläubiger eine Tranche von zwei Milliarden Euro freigeben.

Die Gläubiger-Institutionen wollen Banken die Beschlagnahme von Immobilien verschuldeter Haushalte erleichtern. Die Reform soll zur Refinanzierung des angeschlagenen Bankensektors beitragen. Gemäß der vorgeschlagenen Neuregelung würde 82 Prozent der verschuldeten Haushalte die Beschlagnahme ihrer Immobilien drohen. Die linksgeführte Regierung in Athen will dagegen an der bisherigen Regelung festhalten, die 72 Prozent der betroffenen Haushalte schützt. Sie befürchtet, dass die verschuldeten Haushalte sonst weiter in die Armut abrutschen.