Gericht senkt Strafe für Bayer in Glyphosat-Fall auf 86,7 Mio Dollar

Eine Richterin reduzierte den von einem Geschworenengericht festgelegten Schadenersatz für ein an Krebs erkranktes Ehepaar auf 86,7 Millionen Dollar von zwei Milliarden Dollar. [EPA-EFE/STEFFEN SCHMIDT]

Bayer ist in einem Gerichtsverfahren in Kalifornien um den Unkrautvernichter Glyphosat um eine Milliardenstrafe herumgekommen.

Richterin Winifred Smith reduzierte den von einem Geschworenengericht festgelegten Schadenersatz für ein an Krebs erkranktes Ehepaar auf 86,7 Millionen Dollar von zwei Milliarden Dollar. Den Antrag von Bayer, ganz auf eine Strafzahlung zu verzichten, folgte sie nicht und machte sich die Argumentation der Kläger zumindest teilweise zu eigen. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern sprach von einem Schritt in die richtige Richtung, kündigte jedoch Berufung gegen das Urteil an.

Die Bayer-Aktie legte am Freitag gut ein Prozent zu und gehörte damit zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax.

Das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod macht die jahrzehntelange Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup der Bayer-Tochter Monsanto für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Eine Jury hatte dem Ehepaar im Mai recht gegeben. Das Unternehmen habe es versäumt, vor dem Krebsrisiko des Herbizids zu warnen und fahrlässig gehandelt. Die Geschworenen hatten Bayer daher zu einem Schadenersatz von 55 Millionen Dollar und einem Strafschadenersatz von zwei Milliarden Dollar verurteilt. Die Richterin verringerte den Schadenersatz nun auf rund 17 Millionen Dollar und den Strafschadenersatz auf 69 Millionen.

Bayer sieht sich nach der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Konzerns Monsanto mit mehr als 13.400 Glyphosat-Klagen konfrontiert. Das Unternehmen bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Chemikalie für den menschlichen Gebrauch unbedenklich sei. Die Kläger argumentieren hingegen, Monsanto habe jahrzehntelang versucht, Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden zu beeinflussen, um Hinweise auf die krebserregende Wirkung des Mittels zu vertuschen.

Bayer: Österreichisches Glyphosat-Verbot unvereinbar mit EU-Recht

Bayer hält das österreichische Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für unvereinbar mit europäischem Recht. Wie der Mutterkonzern des Glyphosat-Herstellers Monsanto am Mittwoch mitteilte, nehme er die Entscheidung des österreichischen Nationalrats „mit Bedauern“ zur Kenntnis.

Richterin Smith folgte dieser Argumentation zumindest teilweise. In dem vorliegenden Fall habe es “klare und überzeugende” Beweise gegeben, dass Monsanto versucht habe, wissenschaftliche Untersuchungen zu behindern oder zu verzerren, urteilte Smith. Daher wies sie den Antrag von Bayer zurück, auf Strafschadenersatz zu verzichten.

Nächstes Glyphosat-Verfahren am Monsanto-Sitz in St. Louis

Letztendlich dürfte Bayer die zahlreichen Glyphosat-Klagen nur mit einem milliardenschweren Vergleich aus der Welt schaffen können. Doch derzeit ist die Ausgangslage für den Konzern denkbar schlecht: Er hat alle drei Glyphosat-Verfahren verloren, die bisher vor Gericht landeten.

Bald soll sich erstmals eine Jury außerhalb Kaliforniens mit dem Thema beschäftigen. Voraussichtlich ab dem 19. August wird am Monsanto-Sitz in St. Louis die nächste Klage verhandelt. Bayer hofft auf einen Heimvorteil, da Monsanto 1901 in St. Louis gegründet wurde und zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region gehört. Allerdings sind die Jurys in dem US-Bundesstaat auch dafür bekannt, Unternehmen zu hohen Schadenersatzzahlungen zu verdonnern. Das ist einer der Gründe, warum drei Viertel der Glyphosat-Klagen bei Gerichten in St. Louis eingereicht wurden.

Tausende demonstrieren in Deutschland und Frankreich gegen Monsanto und Bayer

Tausende Menschen haben am Wochenende in Deutschland und Frankreich gegen den US-Saatguthersteller Monsanto und seinen Mutterkonzern Bayer demonstriert.

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