G20 stunden die Schulden ärmster Länder

Die Regierungschefs der G20 in einer Videkonferenz. [Foto: Chigi Palace Press Office]

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen in der Corona-Krise besonders armen Staaten mit Schuldenerleichterungen unter die Arme greifen. Finanzminister Olaf Scholz spricht von einem Akt internationaler Solidarität von historischer Dimension.

Es gebe eine Einigung, dies in abgestimmter Weise zu verfolgen, hieß es am Mittwoch in einer G20-Erklärung nach Beratungen der Finanzminister. Den ärmsten Ländern sollen nun von Mai an alle Zins- und Tilgungszahlungen zunächst bis Jahresende gestundet werden. Private Gläubiger wurden aufgefordert, sich dem Vorhaben anzuschließen. Die betroffenen Staaten sollen dadurch in der Krise mehr Spielraum erhalten, um ihre Gesundheitssysteme mit zusätzlichen Mitteln auszustatten.

“Das heute beschlossene Schuldenmoratorium ist ein Akt internationaler Solidarität von historischer Dimension”, erklärte Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Früheren Angaben von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller zufolge geht es dabei um ein Volumen von 14 Milliarden Dollar. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa und Weltbank-Präsident David Malpass begrüßten in einer gemeinsamen Erklärung das Vorhaben. Die Initiative werde viel bewirken, um das Leben und die Existenzgrundlage von Millionen der am meisten verwundbaren Menschen zu sichern. “Wir haben uns für diese Schulden-Initiative eingesetzt und wir sind entschlossen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um die Armen zu unterstützen.”

Die "Großen Vier" im EU-Parlament sprechen sich für Bonds aus

Die größten Fraktionen im EU-Parlament unterstützen die Ausgabe von Aufschwungsbonds („Recovery Bonds“), um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise zu bekämpfen.

China war Zünglein an der Waage

Die sieben führenden Industriestaaten (G7) hatten bereits am Dienstag beschlossen, Schuldenerleichterungen unter bestimmten Bedingungen mitzutragen. Bei den G20-Beratungen war es vor allem wichtig, ob Widerstand gegen die Pläne aus China kommt. Denn die Volksrepublik ist noch vor der Weltbank der wichtigste Gläubiger in Entwicklungsländern. Darunter sind viele Länder in Afrika.

Ökonomen fordern, den Zeitraum für die Schuldenerleichterungen auszudehnen. Teilweise wird auch ein Schuldenerlass für arme Staaten ins Spiel gebracht. “Für mich ist ganz klar, dass natürlich später auch noch weitere Schritte kommen können, die die Länder dann insgesamt in die Lage versetzen, an den Wiederaufbau zu denken”, sagte Scholz der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Regierungsvertreter sagte Reuters, die Vereinbarung zu Schuldenerleichterungen könne abhängig von Analysen der Weltbank und des IWF zur Schuldentragfähigkeit der betroffenen Länder auch verlängert werden.

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN