Fluglinien: Der Auszug aus Großbritannien beginnt

Ein Easyjet-Flugzeug auf dem Rollfeld [Andrew Thomas/Flickr]

 

Die englische Fluglinie Easyjet zieht die Konsequenzen aus dem Brexit. Sie hat in Österreich um eine Fluglizenz angesucht.

Easyjet ist eine der stetig wachsenden Billigfluglinien, die den europäischen Markt aufmischen. Die 1995 in Großbritannien gegründete Fluggesellschaft verfügt derzeit über 240 Maschinen und beförderte im vergangenen Jahr rund 78 Millionen Passagiere. Bedingt durch den Brexit steht nun die Gesellschaft vor dem Problem, in Europa so genannte Slots zu verlieren. Um auch weiterhin „Flüge in ganz Europa und auch innerhalb von EU-Staaten“ anbieten zu können, zieht die Airline drastische Konsequenzen. Sie verlagert gut ein Drittel des Geschäftes nach Österreich.

Unmittelbar nach dem britischen Austrittsvotum begann die Gesellschaft, Möglichkeiten zu sondieren, um Geschäftseinbußen zu vermeiden. So wurden auch österreichische Regierungsstellen kontaktiert, die wie andere EU-Länder bereits seit einem Jahr um „Brexit-Opfern“ werben und ihnen eine neue Heimstatt anbieten. Wenngleich die heimische Fluglinie Austrian Airlines, eine 100-prozentige Lufthansa-Tochter, vor allem bemüht ist, ihren Platzvorteil gegenüber ausländischer Konkurrenz zu verteidigen, ließen es sich das SPÖ-geführte Verkehrs- und das von einem ÖVP-regierte Finanzministerium nicht nehmen, gemeinsam vertrauliche Verhandlungen zu führen. Und Easyjet einen „roten Teppich“ zu legen.

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Noch diese Woche könnte die Gesellschaft von der österreichischen Luftfahrtbehörde die bereits beantragte und notwendige Fluglizenz erhalten, heißt es aus Regierungskreisen. Easyjet will daraufhin ein gutes Drittel des Fluggeschäftes nach Österreich verlagern. 110 Maschinen und 4.000 Beschäftigte sollen künftighin von Wien aus gemanagt werden.

Ziel der Unternehmensführung ist die Schaffung einer paneuropäischen Airline-Gruppe mit drei Standbeinen, neben Großbritannien und der Schweiz nun schwerpunktmäßig auch in Österreich. Trotz des weitgehenden Auszugs aus Großbritannien will die Dachgesellschaft, die Easyjet plc, vorerst weiterhin an der Londoner Börse notiert bleiben. Insgesamt stellt dieser Schritte einen gewissen „Aderlass“ für das Brexit-Land dar, dem vor allem eine Signalfunktion zukommt.

Für Österreich, dem die OECD gerade gute wirtschaftliche Aussichten prognostiziert hat, bedeutet die EasyJet-Niederlassung eine Maßnahme, die auch auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes aufmerksam macht. Wird doch seitens der Verhandler vor  allem auf die hohe Qualität der „Austro Control“ hingewiesen, die  bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien nach den Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) einen besonders hohen Standard garantiert.

Nutznießer ist zudem der Flughafen Wien-Schwechat, der in Konkurrenz mit München steht und  bestrebt ist, seine Position als einer der wichtigsten Flug-Drehscheiben in den europäischen Osten sowie den Nahen Osten weiter auszubauen. Zudem wird damit auch die Notwendigkeit des Baus einer dritten Lande-Piste unterstrichen, für den die Flughafenbetriebsgesellschaft derzeit massiv kämpft.

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