Finanzmarktregulierung: EU nimmt Dark Pools ins Visier

Börsenhändler wie hier an der Wall Street können nicht alle Geschäfte auf den Finanzmärkten verfolgen. In außerbörslichen Dark Pools laufen sie anonym ab. Foto: dpa.

EU-Kommission und EU-Parlament drängen auf neue Regeln für den anonymen Aktienhandel. Sogenannte Dark Pools können bislang Informationspflichten umgehen.

Das EU-Parlament fordert mehr Transparenz für bislang unregulierte Finanzgeschäfte. Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) brachte im November eine entsprechende Entschließung auf den Weg. Zur Debatte stehen neue Informationspflichten für sogenannte Dark Pools oder auch "Broker Crossing Networks". Das sind meist außerbörsliche Handelsplattformen, auf denen Anbieter und Käufer großer Wertpapierpakete anonym bleiben – oder wie der Name sagt: Geschäfte im Dunkeln machen. Betrieben werden Dark Pools etwa von der US-Investmentbank Goldman Sachs oder der französischen Großbank BNP Paribas. 

Die Märkte sind dem Parlaments-Bericht dazu übergegangen, Großaufträge über Dark Pools abzuwickeln und so Ausnahmen der EU-Finanzmarktrichtlinie (MiFID) zu nutzen. Die Abgeordneten fordern nun, dass Dark Pools zu bestimmten Informationen verpflichtet werden.

"Die Debatte (…) diente vor allem der Vorbereitung für die im nächsten Jahr vorgesehene Überarbeitung der Marktregulierung für Bankenprodukte", erklärte Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament und für seine Fraktion Berichterstatter im Bereich Dark Pools. Ziel im nächsten Jahr solle es sein, transparente und stabile Regeln für die Finanzmärkte einzuführen, die sowohl die Anleger schützen, als auch einen gesunden Wettbewerb ermöglichen.

Auch der Hochfrequenzhandel und der algorithmische Handel auf den Finanzmärkten sollen neu geregelt werden. Die bestehenden Vorschriften bedürften nach der Finanzkrise einer dringenden Überarbeitung, so Ferber. "Wir passen die Marktregulierung nun an die aktuellen Gegebenheiten an, um in Zukunft auf gemeinsame, verbindliche Lösungen auf dem europäischen Binnenmarkt zurückgreifen zu können und um so auf den globalen Finanzmärkten weiter wettbewerbsfähig zu bleiben", so der CSU-Finanzmarktexperte.

Barnier will Lehren aus der Krise

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier leitete jüngst eine Konsultation zur Finanzmarktregulierung ein (EURACTIV.de vom 8. Dezember 2010). Die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) soll überprüft werden. Sie legt einen rechtlichen Rahmen für Finanzdienstleister und Vorschriften zum Anlegerschutz fest. "Der rapide technologische Fortschritt, die Komplexität und der Wandel der Finanzmärkte sowie die aus der Finanzkrise zu ziehenden Lehren machen jedoch eine umfassende Überprüfung der Richtlinie erforderlich", heißt es von Seiten der Kommission. Auf Grundlage der Konsultation wird die Kommission Anfang 2011 eine Revision der MiFID-Richtlinie vorschlagen.

Barnier will "Dark Pools" ähnlich streng regulieren wie dies in den USA der Fall ist. Eine Kontrolle in diesem Bereich biete den gleichen Zugang zu Informationen, erleichtere die Preisbildung und erhöhe die Liquidität. Für sämtliche Wertpapierdienstleistungen und Investmenttätigkeiten sei ein robuster und angemessener Regulierungsrahmen notwendig.

Der EU-Abgeordnete Markus Ferber kritisiert, dass sich die Kommission bei der Erstellung der Konsultation zur MiFID teilweise über Vorschläge der Parlamentarier hinweggesetzt habe. Der außerbörsliche Handel werde möglicherweise nur unzureichend geregelt.

awr

Links


Presse

Handelsblatt: EU bremst Hochfrequenzhandel (8. Dezember 2010)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Kommission will einheitliche Strafen für Finanzdelikte (8. Dezember 2010)

Dokumente

EU-Parlament: Bericht ber die Regulierung des Handels mit Finanzinstrumenten (16. November 2010)

EU-Kommission:
Finanzdienstleistungen: Bessere europäische Vorschriften zur Schaffung eines robusteren Rahmens für sämtliche Finanzakteure und Finanzinstrumente. Pressemitteilung (8. Dezember 2010)

EU-Kommission: Markets in Financial Instruments Directive (MiFID): Frequently Asked Questions (8. Dezember 2010)

EU-Kommission: Investment Services and regulated markets

 

 

 

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