Fast jeder vierte Spanier ist arbeitslos

Harte Zeiten für Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Foto: EC

Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen herabgesetzt. Die Ratingagentur glaubt nicht, dass die Arbeitsmarktreformen in absehbarer Zeit Jobs schaffen werden. Die Arbeitslosenquote ist auf einen Höchststand gestiegen.

Fast jeder vierte Spanier hat keinen Job. Die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal auf 24,4 Prozent, teilte das Statistikamt am Freitag in Madrid mit. Ende 2011 lag sie noch bei 22,9 Prozent. Spanien hat die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote in der EU.

Es gebe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt, teilte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) am Donnerstag mit. S&P setzte den Ausblick auf negativ und senkte die Bewertung auf BBB-plus von zuvor A. Es sei möglich, dass das südeuropäische Land dem Bankensektor erneut unter die Arme greifen müsse. Die Agentur erklärte, sie glaube zudem nicht, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden.

In einer ersten Reaktion kritisierte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid die Entscheidung. S&P habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters am späten Abend. "Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben."

Spanien gilt seit längerem an den Finanzmärkten als Wackelkandidat. Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Zuletzt zeigte sich die Regierung in Madrid zuversichtlich, ihr Sparziel für dieses Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Milliarden Euro will Spanien einen Fehlbetrag von 5,3 Prozent nach Brüssel melden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien noch erfolgreich den Kapitalmarkt anzapfen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

EURACTIV/rtr

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Dokumente

Standard & Poor’s: Ratings On Spain Lowered To ‚BBB+/A-2‘ On Debt Concerns; Outlook Negative (26. April 2012)

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EFSF: Spanien fordert Milliarden für seine Banken (18. April 2012)

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