Falsche Versprechen: Spendenplattform von Amazon leitet Kunden fehl

Immeuble d'Amazon en Californie - Copyright: Ken Wolter/shutterstock

Amazon-Sitz in Kalifornien [Foto: Ken Wolter/shutterstock]

Amazon hat mit „Smile“ eine Spendenplattform ins Leben gerufen. Doch Verbraucherschützer monieren, das Konzept warte mit Fehlinformationen auf.

Auf den ersten Blick klingt die Aktion rühmlich. Der Internethändler Amazon hat mit „Smile“ eine Spendenplattform ins Leben gerufen, bei der Amazon-Kunden eine Organisation auswählen können, die sie mit ihrem Einkauf unterstützen wollen. Bei jedem Kauf über diese Seite will Amazon dann 0,5 Prozent des Einkaufspreises an die Organisation abführen.

Doch Foodwatch warnt nun vor der Spendenplattform „AmazonSmile“.  Der Konzern habe Foodwatch in einer Liste von Organisationen geführt,  die unterstützt werden könnten, obwohl die Verbraucherorganisation sich dafür nicht registriert hatte. Dennoch zeigte Amazon-Kunden auf der Website und in E-Mails an, sie könnten Foodwatch unterstützen oder hätten dies bereits getan. Doch laut der Verbraucherorganisation habe sie kein Geld von Amazon erhalten – und wolle auch keine Spenden annehmen.

„Amazon führt Menschen in die Irre, die eine gute Sache unterstützen wollen, und generiert Umsatz mit falschen Versprechen“, kritisierte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Er hatte in einem Brief an Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber von vergangenem Donnerstag eine Überarbeitung des Smile-Programms sowie eine Klarstellung gegenüber den Kunden verlangt, die der Handelskonzern glauben ließ, Foodwatch oder andere nicht an der Spendenplattform beteiligte Organisationen unterstützt zu haben.

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Foodwatch will mit dem Internetkonzern laut eigener Aussage nicht kooperieren, weil Amazon auch mit Lebensmitteln handelt. Spenden von Amazon würden aus Sicht von der verbraucherschützer daher gegen den Grundsatz der Unabhängigkeit. verstoßen.

Bei der neu geschaffenen Spendenplattform „AmazonSmile“ können Kundinnen und Kunden ihre Bestellungen über eine eigene Website tätigen. In einem ersten Schritt wählen sie dort  – um eine Spende von 50 Euro zu erzielen, müssen Kunden also Bestellungen über 10.000 Euro getätigt haben. Dabei kommt das Spendengeld nicht von den Kundinnen und Kunden, sondern von Amazon. Auf der Seite können jedoch auch Organisationen ausgewählt werden, die sich gar nicht für Amazon Smile registriert haben.

Foodwatch war von Amazon bis zum vergangenen Freitag in seiner Liste geführt worden, ohne jemals eine Zustimmung gegeben zu haben. Wer die Organisation auswählte, sah dennoch oben auf seiner AmazonSmile-Seite den Hinweis „Unterstützt wird: foodwatch e.V.“. Erst im Kleingedruckten zum Smile-Programm verborgen findet sich eine Erklärung von Amazon, was mit Spenden passiert, wenn sich eine Organisation nicht registriert. Die Bereitschaft abgeklärt hatte das Unternehmen nicht. „Wir standen im Vorfeld nicht einmal in Kontakt mit Amazon über die Frage, ob wir uns an der Plattform beteiligen wollen oder nicht“, so Foodwatch-Deutschland-Geschäftsführer Martin Rücker.

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In einem Brief vom 10. Mai 2017 hatte Amazon Foodwatch dann aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass bereits „Amazon-Kunden Ihre Organisation foodwatch e.V. auf smile.amazon.de ausgewählt haben und aufgrund der Einkäufe unserer Kunden auf smile.amazon.de ein Betrag in Höhe von 83,15 € für Ihre Organisation gutgeschrieben wurde.“ Entspricht dieser Betrag tatsächlich 0,5 Prozent des Einkaufswertes, so stünde ihm ein Umsatz von 16.630 Euro für Amazon gegenüber – ein Umsatz, der unter dem Eindruck entstanden ist, mit dem Geld könne Foodwatch unterstützt werden.

Foodwatch kritisiert, dass das Vorgehen von Amazon auch zum Schaden von Organisationen sei, die aus guten Gründen entschieden haben, kein Geld von Amazon annehmen zu wollen. Auf der „AmazonSmile“-Seite entstehe der falsche Eindruck, die Organisationen würden doch Spenden von Amazon akzeptieren. Gleichzeitig würden Menschen, die im Glauben sind, eine Organisation über Amazon bereits unterstützt zu haben, diese auf anderem Wege vielleicht nicht mehr unterstützen.

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