Fake-Smartphones: Fluch für Industrie und Verbraucher

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2015 landeten mehr gefälschte Smartphones denn je im EU-Binnenmarkt. [Highways Agency/Flickr]

Der EU-weite Anstieg gefälschter Smartphones 2015 schade nicht nur den Absatzzahlen in der Industrie, sondern auch der Verbrauchergesundheit, warnt ein aktueller Bericht. Euractiv Brüssel berichtet.

Am heutigen Mittwoch veröffentlichten die Internationale Fernmeldeunion (ITU) und die UN-Agentur für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ihren gemeinsamen Bericht über Fake-Smartphones.

Den Ergebnissen zufolge führte der Anstieg gefälschter Geräte auf dem Weltmarkt im Jahr 2015 zu Absatzeinbußen in der legalen Industrie von 184 Millionen Smartphones (12,9 Prozent der legalen Käufe). Der finanzielle Schaden belief sich somit auf 45,3 Milliarden Euro. „2015 wurden weltweit 1,3 Milliarden Smartphones verkauft. Das bedeutet, dass in jenem Jahr etwa jeder Sechste ein Smartphone für durchschnittlich 275 Euro erstanden hat“, heißt es in dem Bericht.

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Italien auf Platz eins

Auf EU-Ebene gingen 2015 etwa 150 Millionen Smartphones über die Ladentheke. Das entspricht etwa einem Drittel der EU-Bevölkerung. Die durch Falschgeräte entstandenen Einbußen in Europa lagen bei schätzungsweise 14 Millionen nicht verkauften Einheiten (8,3 Prozent der Verkaufszahlen in der Branche) mit einem finanziellen Verlust von 4,2 Milliarden Euro.

In Italien waren die entgangenen Absatzzahlen durch Fake-Smartphones EU-weit am höchsten, so der Bericht. Hier gingen der legitimen Industrie 2015 ganze 15,4 Prozent ihrer Umsätze verloren beziehungsweise 885 Millionen Euro. An zweiter Stelle steht Großbritannien mit 660 Millionen Euro, gefolgt von Deutschland mit 564 Millionen. Weiter in der Top-Fünf sind Spanien und Frankreich mit 386 Millionen beziehungsweise 380 Millionen Euro an Verlusten.

Dies sei der erste Bericht, der einen Sektor sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU betrachtet, kommentiert António Campinos, Exekutivdirektor  des EU-Amtes für geistiges Eigentum (EUIPO). „Die Schätzung, dass 2015 weltweit 12,9 Prozent an legalen Smartphone-Käufen verhindert wurden, kann Politikern und all jenen, die sich weltweit gegen Produktfälschungen einsetzen, als mächtige Botschaft dienen.“

Verbrauchersorgen

Das Wachstum am Markt für gefälschte Smartphones verursacht jedoch nicht nur finanzielle Schäden. Es wirft auch Fragen in den Bereichen Verbraucherschutz und Produktsicherheit auf. Produktfälschungen gefährden die Sicherheit, die Verbrauchergesundheit, die Privatsphäre und das Wirtschaftswachstum, warnt Brahima Sanou, Leiter des ITU-Büros für Telekommunikationsentwicklung. Es sei an der Zeit, Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher zu ergreifen.

Der Bericht unterstreiche zwar vor allem die enormen wirtschaftlichen Kosten für die legale Industrie, sollte den Verbrauchern jedoch gleichzeitig als Warnung vor Fälschungen dienen, findet auch Michael Milligan, Generalsekretär des Mobile & Wireless Forum (MWF), einem internationalen Verband der Hersteller mobiler und kabelloser Geräte.

„Fake-Smartphones sind eine Gefahr für den Verbraucher“, betont er. „Diese Geräte werden aus billigen, minderwertigen Materialien hergestellt und enthalten nachweislich hohe Anteile an gefährlichen Chemikalien oder Metallen wie Blei. Die Geräte und zugehörigen Ladekabel entsprechen meist nicht einmal den grundlegenden elektrischen Sicherheitsstandards.“ Ihm zufolge belasten gefälschte Smartphones auch das mobile Netzwerk, in dem sie den Abdeckungsbereich, die Anrufqualität und die mobile Internetgeschwindigkeit beeinträchtigen.

„Verbraucher sollten von den jüngsten Fällen wissen, in denen gefälschte Smartphones mit Schadsoftware geliefert wurden, damit sie persönliche und finanzielle Daten des Nutzers stehlen konnten“, so Milligan.

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