EZB warnt: EU-Banken weitgehend unvorbereitet auf Klimarisiken

Das Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Einem neuen Bericht zufolge ist keine der 112 europäischen Banken auch nur annähernd in der Lage, die Leitlinien der Europäischen Zentralbank für das Klima- und Umweltrisikomanagement vollständig zu erfüllen.

In dem am Montag (22. November) veröffentlichten Bericht wurde untersucht, wie die europäischen Banken Klima- und Umweltrisiken in ihre Geschäftsprozesse einbezogen haben.

Und sie haben noch einen weiten Weg vor sich, so das Fazit von Frank Elderson, Direktoriumsmitglied der EZB.

„Die Banken müssen sich dringend ehrgeizige und konkrete Ziele und Zeitpläne setzen – einschließlich messbarer Zwischenziele -, um ihre derzeitigen und künftigen C&E-Risiken [Klima- und Umweltrisiken] zu mindern“, so Elderson in einem Blogbeitrag zum Bericht.

Die Banken erfüllen die Erwartungen nicht.

Im November 2020 legte die EZB einen Leitfaden vor, der Banken dabei helfen soll, Ziele auf verschiedenen Managementebenen zu integrieren. Der Leitfaden formuliert mehrere „aufsichtsrechtliche Erwartungen“, einschließlich Klima- und Umweltüberlegungen für Geschäftsmodelle, Strategien, Governance und Risikobereitschaft.

Nach Angaben der EZB sind die meisten Banken jedoch weit davon entfernt, diese Ziele umzusetzen.

Nur 28 % der Banken berücksichtigen Klima- und Umweltrisiken bei der Bestimmung des Kreditrisikos eines Schuldners.

Dies kann zu einem Problem werden, wenn die Reaktion der Gesellschaft auf den Klimawandel zu „stranded assets“ [gestrandete Vermögenswerte] führt. Ein Kredit zur Finanzierung der Ausbeutung eines neuen Ölfeldes könnte beispielsweise nicht zurückgezahlt werden, wenn die Weltwirtschaft sich von fossilen Brennstoffen abwendet. Wenn Banken viele solcher Kredite in ihren Büchern haben, die plötzlich ihren Wert verlieren, ist die Finanzstabilität in Gefahr, und die Öffentlichkeit könnte gezwungen sein, Banken zu retten, die ihre Wetten auf fossile Brennstoffe abgesichert haben.

Im Oktober legte die Europäische Kommission ein neues Bankenpaket vor, um das EU-Bankensystem sicherer zu machen. Der Vorschlag der Kommission sieht vor, dass die Banken klimabezogene Risiken in ihre internen Risikomodelle einbeziehen müssen.

Kommission will mehr Kapitalpuffer für EU-Banken – in etwa einem Jahrzehnt

Mit einem neu vorgeschlagenen Bankenpaket versucht die EU-Kommission, ein Gleichgewicht zwischen der Erhöhung der Finanzstabilität, dem Schutz der Bankgewinne und der Nachhaltigkeit zu finden.

Kritiker hatten davor gewarnt, dass der Rückgriff auf interne Modelle nicht ausreichen würde, und die Kommission aufgefordert, höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken vorzuschreiben, die der fossilen Brennstoffindustrie Geld leihen.

Banken sind sich der Klimarisiken nicht bewusst

Der Bericht der EZB legt nahe, dass die Banken die Klimarisiken nicht ernst genug nehmen. Dem Bericht zufolge nutzen nur 11 % der befragten Banken die Analyse von Klima- und Umweltszenarien für die Festlegung von Strategien.

„Bislang hat die Mehrheit der Banken keine Pläne für konkrete Maßnahmen zur Anpassung ihrer Geschäftsstrategie“, so Frank Elderson.

„Nur eine Handvoll [Banken] geben an, aktiv zu planen, ihre Portfolios auf einen Paris-kompatiblen Kurs zu lenken“, fügte er hinzu und bezog sich dabei auf das Pariser Klimaabkommen, in dem die Länder das Ziel verfolgen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Elderson kündigte an, dass Klima- und Umweltrisiken im aufsichtsrechtlichen Rahmen der EZB eine wichtigere Rolle spielen würden, und dass sie „letztendlich die Eigenkapitalanforderungen der Banken beeinflussen“ würden.

Mehr als Klima

Auch wenn der EZB-Bericht nicht gerade enthusiastisch erscheint, berücksichtigen die europäischen Banken Klimarisiken stärker als andere Umweltrisiken.

„Die meisten Institute haben einen blinden Fleck für physische Risiken und andere ökologische Risikofaktoren wie den Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltverschmutzung“, heißt es im EZB-Bericht.

Eine kürzlich von Forschern der französischen Zentralbank durchgeführte Studie ergab, dass Risiken im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt eng mit finanziellen Risiken verbunden sind. Der Studie zufolge hingen 42 % der von französischen Finanzinstituten gehaltenen Wertpapiere von funktionierenden Ökosystemen ab.

Der EZB-Bericht wies jedoch auch darauf hin, dass praktisch alle Banken Umsetzungspläne entwickelt haben, um ihre Praktiken weiter zu verbessern. „Alles in allem haben die Institute begonnen, den Weg zu ebnen, aber das Tempo der Fortschritte bleibt in den meisten Fällen langsam“, so die Schlussfolgerung des Berichts.

Als nächsten Schritt plant die EZB eine umfassende Überprüfung der Vorbereitung der Banken auf Klima- und Umweltrisiken in Verbindung mit einem klimabezogenen Stresstest in der ersten Hälfte des Jahres 2022.

[Bearbeitet von Alice Taylor and Frédéric Simon]

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