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08/12/2016

EZB: Trump gefährdet die Finanz-Stabilität der Euro-Zone

Finanzen und Wirtschaft

EZB: Trump gefährdet die Finanz-Stabilität der Euro-Zone

Der designierte US-Präsident Donald Trump.

[Matt Johnson/Flickr]

Der Euro-Zone drohen seit Donald Trumps Wahlerfolg große Stabilitätsrisiken, warnt die EZB. Sie sieht den Grund vor allem in den wirtschaftspolitischen Turbulenzen in den USA. EurActiv Spanien berichtet.

Die Euro-Zone steht großen Risiken gegenüber, bekräftigte EZB-Vizepräsident Vítor Constancio bei der Präsentation des aktuellen Berichts zur Finanzstabilität am 24. November. Der Grund: die mögliche Preisanpassung finanzieller Vermögenswerte, die mit den politischen Umwälzungen nach Trumps Wahlerfolg in den USA einhergehen könnte.

Derzeit sind die größten Stabilitätsrisiken an den Märkten politischer Natur. Die Unsicherheiten, die schon mit dem Brexit-Votum um sich griffen, verstärkten sich durch die Aussichten auf eine US-Präsidentschaft unter Trump und das anstehende italienische Verfassungsreferendum.

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Seit der Wahl des Immobilienmoguls sind die Aktienpreise stark angestiegen. Die der Staatsanleihen hingegen sanken immer weiter in den Keller, wobei ihre Rentabilität stetig zunahm. „Bisher ist noch sehr unsicher, wie sich die wirtschaftspolitischen Umbrüche in Amerika auf die finanzielle Stabilität der Euro-Zone auswirken werden“, so die EZB.

Die Euro-Zone werde die Folgen der US-Präsidentschaftswahlen über verschiedene Kanäle zu spüren bekommen, zum Beispiel über den Handel, die höheren Zinssätze oder die gestiegene Inflation in den USA, schätzt die Bank.

Schon in der ersten Woche nach den Schockwahlen ließ sich eine Verlagerung von Anleihen hin zu Aktien beobachten. So ging der Anleihenwert laut EZB-Bericht weltweit um etwa eine Milliarde Euro zurück. Trotz der Unbeständigkeit auf den Finanzmärkten weltweit, habe sich das Finanzsystem der Euro-Zone als widerstandsfähig gegenüber Turbulenzen der vergangenen Monate erwiesen. Die Risikoindikatoren für Banken und Regierungen in der Euro-Zone „haben sich auf einem etwas erhöhten Niveau stabilisiert“, betont die EZB.

Am 4. Dezember wird in Italien ein Referendum über eine von Premierminister Matteo Renzi vorgeschlagene Verfassungsänderung stattfinden, die die Macht des Senats einschränken soll. Das Ergebnis lasse sich nur schwer vorhersagen, so Constancio. Die Angst vor einem möglichen Scheitern trug bereits dazu bei, die differenzielle Abweichung der italienischen Staatsverschuldung zu erhöhen und das Vertrauen der Menschen zu untergraben.

Am meisten fürchten sich die Märkte laut EZB-Bericht vor der schwächelnden Rentabilität der Banken in der Euro-Zone. Tatsächlich stehen die Finanzinstitute mehreren Herausforderungen gegenüber: zweifelhafte Kredite, hohe Betriebskosten und Überkapazitäten, so die EZB. Natürlich sei die Situation in den einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedlich.