EZB-Direktor Asmussen verteidigt Anleihenkäufe

"Jeder Anleihehändler in New York, Singapur oder Hong Kong liest auf seinen Bildschirmen jeden Tag, wie fahrlässig in Europa über den Euro geredet wird", so EZB-Direktor Jörg Asmussen. Foto: dpa

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen verteidigt den Kurs von Notenbankchef Mario Draghi und das neue Programm zum Ankauf von Anleihen. Zudem warnt er davor, sich leichtfertig für einen Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion auszusprechen.

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen will, dass die von der Notenbank in Aussicht gestellten Anleihekäufe zur Stützung von Schuldenländern an strenge Bedingungen geknüpft werden.

"Aus meiner persönlichen Sicht wäre es gut zu fordern, dass ein Antrag auf Primärmarktintervention durch den EFSF/ESM gestellt werden muss, bevor auch die EZB tätig wird", sagte Asmussen der "Frankfurter Rundschau". Der EZB-Rat werde dann in voller Unabhängigkeit entscheiden, ob, wann und wie Anleihen auf dem Sekundärmarkt gekauft werden.

Asmussen deutete an, dass das neue Programm zum Kauf von Anleihen im Gegensatz zu den bisherigen Programmen unbegrenzt sein soll. Auf die Frage, ob EZB-Chef Mario Draghi absichtlich nicht wie bisher eine Begrenzung in Zeit und Volumen genannt habe, antwortete Asmussen: "Sie haben ihm richtig zugehört."

Auf die Frage, warum er glaube, das neue Programm werde erfolgreicher als die beiden ersten Programme sein, die nur kurzfristig die Zinsen gesenkt haben, erklärte Weidmann: "Weil es besser konzipiert werden wird als das alte Anleihekaufprogramm."

Jeder Anleihehändler in New York, Singapur oder Hong Kong lese jeden Tag, wie "fahrlässig in Europa über den Euro geredet" wird, so Weidmann. "Da muss man sich nicht wundern, wenn die Sorge vor dem Auseinanderfallen existiert. Genau diese Zweifel am Bestand des Euro wollen wir den Marktteilnehmern nehmen."

Die Bedenken von Bundesbank-Chef Jens Weidmann, dass mit dem neuen Programm das Mandat der EZB überschritten wird, teilt Asmussen nicht. "Wir agieren innerhalb unseres Mandates, das vorrangig darauf ausgerichtet ist, Preisstabilität auf mittlere Sicht für den gesamten Euroraum zu garantieren."

Asmussen warnte davor, sich leichtfertig für einen Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion auszusprechen. Zwar wäre eine Trennung von Griechenland beherrschbar, aber gleichzeitig nicht so geordnet, wie manche es sich vorstellten. "Es wäre mit Wachstumseinbußen und höherer Arbeitslosigkeit verbunden und sehr teuer. In Griechenland, in ganz Europa und auch in Deutschland", sagte der Notenbanker.

EURACTIV/rtr/dto

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EURACTIV Brüssel:
ECB official: ‘Grexit’ possible but not desirable (20. August 2012)

Presse

Frankfurter Rundschau: Krisen-Länder müssen ihre Probleme angehen (20. August 2012)

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