EZB-Anleihenkauf: Zehn Milliarden Euro in drei Tagen

Die EZB hat das größte Programm zum Ankauf von Anleihen begonnen. [© Frank Friedrichs (CC BY-NC-ND 2.0)]

Die Europäische Zentralbank hat das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte des Euro gestartet und schon jetzt Wertpapiere im Wert von rund zehn Milliarden Euro gekauft – der Großteil entfiel auf die Deutsche Bundesbank. Doch vor allem Deutschland warnt noch immer vor den Risiken.

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt schnell Fahrt auf. Bereits in den ersten drei Tagen habe die EZB Wertpapiere für 9,8 Milliarden Euro gekauft, sagte EZB-Direktor Benoît Coeuré am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in Paris.

Die Zentralbank sei „genau auf dem richtigen Weg“, um ihr anvisiertes Ziel, monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro zu kaufen, zu erreichen, versicherte Coeuré. Das als Quantitative Lockerung (englisch: Quantitative Easing, QE) bezeichnete Programm gilt als größtes geldpolitisches Experiment in der Geschichte des Euro und wird vor allem in Deutschland mit viel Skepsis gesehen.

Mindestens bis Ende September 2016 will die EZB jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen, um das Risiko einer Deflation abzuwenden. Die durchschnittliche Laufzeit der von der EZB erworbenen Anleihen liegt laut Coeuré bei neun Jahren, was „sehr lang“ sei und den „wirtschaftlichen Erfolg“ des Programms stärken werde.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann machte während der Vorstellung der Jahresbilanz am Donnerstag in Frankfurt am Main erneut auf Risiken des Ankaufprogramms aufmerksam. Die Motivation der EU-Mitgliedstaaten für weitere Haushaltskonsolidierungen und Reformmaßnahmen könne abnehmen, wenn sich die Länder an die „sehr günstigen Finanzierungsbedingungen“, die das Programm mit sich bringe, gewöhnen sollten, erklärte Weidmann. Die Deutsche Bundesbank hatte mit 2,1 Milliarden Euro den größten Anteil an den bisherigen Ankäufen.

EZB-Programm senkt Reformdruck auf Staaten

Auch der Vorstand des Centrums für Europäische Politik (cep), Lüder Gerken, sagte: „Das Anleihekaufprogramm wird die Probleme der Eurozone nur noch weiter vergrößern. Denn durch das Absenken der Zinsen auf Staatsanleihen nimmt die EZB weiteren Reformdruck von den Mitgliedstaaten.“ Gleichzeitig werde die Geldschwemme zu Fehlallokationen von Kapital führen und das Risiko von Blasenbildungen stark erhöhen.

Die Antwort auf die derzeitige Krise in der Eurozone könne nur sein, dass die Mitgliedstaaten durch konsequente Reformen auf den Arbeits- und Gütermärkten ihr Wachstumspotenzial vergrößern und dadurch Vertrauen bei den Investoren schaffen, so Gerken. „Noch mehr billiges Geld ist hingegen keine Lösung.“

Die EZB hat ihr breitangelegtes Kaufprogramm von Anleihen am Montag gestartet und damit die jüngsten Kursverluste beim Euro ausgelöst.

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