EZB ändert ihr Inflationsziel auf exakt zwei Prozent

Die EZB hat ihre Strategie überarbeitet und wird nun auch auf Nachhaltigkeitskriterien noch mehr Rücksicht nehmen, sowie die 2 Prozent Inflation genauer ansteuern. EPA-EFE/OLIVIER MATTHYS / POOL

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Inflationsziel geändert und auf exakt zwei Prozent festgelegt. Bei der Zielvorgabe handele es sich nun um ein „symmetrisches Inflationsziel“, erklärte die EZB am Donnerstag (8. Juli).

Abweichungen nach oben und nach unten sollen künftig somit gleichermaßen verhindert werden. Die EZB hatte seit 1998 ein Inflationsziel von unter zwei Prozent verfolgt, seit 2003 gilt das Mantra „unter, aber nahe zwei Prozent“.

„Der EZB-Rat geht davon aus, dass Preisstabilität mit einem Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht am besten erreicht werden kann“, hieß es in der Erklärung. „Das könnte auch bedeuten, dass es zu einer Übergangsperiode mit Inflationsraten leicht über dem anvisierten Ziel kommen kann“.

Die Kursänderung bei der EZB ist das Ergebnis einer internen Prüfung der eigenen
Geldpolitik, mit der im Januar 2020 begonnen worden war.

EZB-Negativzins ist laut Rechtsgutachten verfassungswidrig

Die anhaltende Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird in einem Gutachten als verfassungswidrig gewertet. Diese Geldpolitik bedeute eine Enteignung der Sparer und verletze das im deutschen Grundgesetz und im Europarecht garantierte Recht auf Privateigentum.

Der EZB-Rat bestätigte außerdem, dass die EZB-Zinsraten das primäre geldpolitische Instrument der Zentralbank bleiben werden. Andere geldpolitische Maßnahmen, wie der Aufkauf von Anleihen und langfristige Refinanzierungsinstrumente, blieben jedoch weiterhin ein „integraler Bestandteil des Instrumentenkastens der EZB“.

Zukünftig will die EZB außerdem auch die Wohnkosten von Hauseigentümern mit in die Inflationsrate einberechnen. Dies sei jedoch ein „mehrjähriges Projekt“, erklärte die EZB. In der Zwischenzeit werde die EZB vorläufige Schätzungen der Wohnkosten von Menschen mit Eigenheim in ihre Inflationsberechnung einbeziehen.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Zentralbank wird künftig der Klimawandel sein. Der EZB-Rat habe einen Aktionsplan beschlossen, um „Überlegungen zur ökologischen Nachhaltigkeit systematischer in seiner Geldpolitik zu berücksichtigen“.

Konkret will die EZB nun neue „experimentelle“ Indikatoren für die Risikoanalyse grüner Finanzinstrumente und die CO2-Emissionen von Finanzinstituten entwickeln. Private Unternehmen sollen künftig als Voraussetzung für eine Zulassung Angaben zur ökologischen Nachhaltigkeit von Wertpapieren machen müssen.

Bei ihren eigenen Ankäufen von Unternehmensanleihen hat die EZB nach eigenen Angaben schon begonnen, Klimaschutzkriterien zu berücksichtigen.

EZB will Klimathemen künftig stärker berücksichtigen

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag (8. Juli) mitgeteilt, sie wolle den Klimawandel künftig stärker in ihre Geldpolitik einbeziehen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde begrüßte die neue Strategie der Zentralbank als „starkes Fundament, dass unsere Geldpolitik in den nächsten Jahren leiten wird“. Das zentrale Mandat der EZB zur Sicherung der Preisstabilität sei nicht angetastet worden, die Diskussionen über die neue Strategie hätten jedoch zum Nachdenken angeregt.

Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim warnte, das neue Ziel bereite höheren Inflationsraten den Weg.

„Weil eine Inflation unter zwei Prozent jetzt als genauso schlecht wie eine Inflation über zwei Prozent gilt, wird es der EZB-Rat künftig noch leichter haben, in den kommenden Jahren eine Fortdauer der extrem lockeren Geldpolitik und der Anleihekäufe zu rechtfertigen“, erklärte er.

Die EZB nehme damit zu viel Rücksicht auf die Absicherung hoher Schuldenstände einzelner Euro-Staaten, kritisierte er.

Die Einbeziehung der Wohnungskosten auch bei selbstgenutzten Immobilien in die Inflationsberechnung begrüßte Heinemann hingegen „uneingeschränkt“. Preissteigerungen auf dem europäischen Wohnungsmarkt seien bisher „noch nicht ausreichend in der Inflationsmessung berücksichtigt“ worden.

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