Euro und D-Mark, die zwei und das eine Drittel

Eigentlich besteht Europa nicht nur aus Finanzfragen und Fiskalpakt (Sondermünzen zur Erinnerung an den 10. Jahrestag der Euro-Einführung). Fotos: EC

Viele hätten gern sein Scheitern gefeiert, doch der Euro überlebt Spekulationen und Schuldenkrisen. Ein leidenschaftliches Plädoyer für die gemeiname Währung von Hermann Bohle.

Der Autor

Hermann Bohle, Jahrgang 1928, Kommentator und Buchautor, langjähriger Journalist in Brüssel zu EU- und NATO-Themen. Ehemals DIE ZEIT, Die Presse (Wien), Neue Zürcher Zeitung NZZ und Weltwoche (Zürich), Rheinischer Merkur, Unternehmensberatung Deutscher Wirtschaftsdienst (DWD-Köln). BLOG: Bohle-Echo.de.

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Die D-Mark-Anhängerschaft bröckelt. Nach Presseberichten (Frankfurter Allgemeine vom 16. Februar 2013) will nur noch ein Drittel der Deutschen die DM zurück. Trotzdem ist den Redaktionen dieses Drittel die Titelzeile wert. Also nicht die zwei Drittel, die es anders sehen.

Die Deutschen, von Natur aus eher konservativ, gewöhnen sich an die neue Weltwährung Euro. Die tragen wir nun alle in der Brieftasche. Damit geht es uns besser als zu DM-Zeiten. Damals war unsere Währung immer wieder überbewertet. Als – im Vergleich zum US-Dollar – kleinere Währung wurden wir Opfer der internationalen, gern auch mal antideutschen Spekulation.

Die DM kostete zeitweise so viel, dass das Ausland deutsche Exporte kaum noch bezahlen konnte. Heute erleidet die kleine Währung des Schweizer Franken das gleiche Schicksal. 

Mittlerweile wird die Spekulation gegen den Euro zusehends wirkungsloser. Erst wollten die Angelsachsen in Wall Street (New York) und "City" Europas (in London) die neue Weltwährung totschweigen (ab 1995). Dann hofften sie dort, sie würde sich totlaufen (als wir für einen US-Dollar über 1,20 Euro bezahlten und Amerikaner für einen Euro bloss 82 ihrer Dollar-Cents).

Schließlich aber kostete – nach der Jahrhundertwende – der Euro bis zu 1,60 US-Dollar, fast das Doppelte von 2001. Da erhofften sich die Jongleure der "Finanzmärkte" in New York und London die Zerstörung des Euro immer noch, nun mit Hilfe der griechischen Betrügereien. Dort  hatten sich sämtliche "Oberschichten" – fast jeder Partei – den Beitritt zum Euro mit falschen Zahlen erschlichen. Das geschah, worüber Investigativ-Journalisten hoffentlich bald berichten, auch mit der zumindest beratenden Mithilfe aus der Wall Street. Nicht das schwer schuftende Volk der Griechen verursachte die dortige Krise; es waren die Kamarillen und Steuerflüchtlinge in den obersten Etagen der dortigen Gesellschaft.

Das von der Griechenkrise drohende Ende des Euro hätten sie in New York und London gern mitgenommen, genüßlich als Nebenfrucht ihrer Weltfinanz- und Bankenkrisen – die sie, zum 2. Mal nach 1929, seit 2007/08 veranstalten. Nun aber hält Moskau, wo gerade die G-20-Tagung begann, 45 Prozent seiner Währungsreserven in Euro, China stellt auf Euro-Reserven um, Brasilien ebenso. Peking muss aber seine Papier-Dollarmassen sehr vorsichtig verkaufen, damit deren Wert nicht in den Abgrund kippt (woran keiner Interesse hat). 

Alles in allem: Das Thema wird momentan unter dem falschen Titel erörtert. Wesentlich ist es nicht, dass ein deutsches Drittel noch die DM anhimmeln; zwei Drittel sehen das nun anders. Das Volk bleibe immer "kindisch", befand Goethe. Wie man sieht, wohl doch nicht.

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