EU setzt sich für Geschlechtergleichgewicht in Aufsichtsräten ein

"Nach 10 Jahren, seit die Europäische Kommission diese Richtlinie vorgeschlagen hat, ist es höchste Zeit, dass wir die gläserne Decke durchbrechen", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Erklärung. [European Union, 2022]

Die EU-Abgeordneten haben sich am Dienstag (7. Juni) auf ein europaweites Ziel geeinigt, um ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis in den Aufsichtsräten europäischer Unternehmen zu erreichen.

Die Verhandlungsführer der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments erklärten, sie hätten eine gemeinsame Grundlage für einen Vorschlag gefunden, der erstmals 2012 von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde.

„Nach 10 Jahren, seit die Europäische Kommission diese Richtlinie vorgeschlagen hat, ist es höchste Zeit, dass wir die gläserne Decke durchbrechen“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Erklärung.

„Es gibt viele Frauen, die für Spitzenjobs qualifiziert sind: Sie sollten sie auch bekommen können“, fügte sie hinzu.

EU-Parlament will Geschlechtergleichstellung in Aufsichtsräten fördern

Abgeordnete des Europaparlaments arbeiten daran, den Vorschlag der EU-Kommission zu stärken, um sicherzustellen, dass 40 Prozent der nicht geschäftsführenden Vorstandssitze börsennotierter Unternehmen von Frauen besetzt werden.

Nach den neuen Regeln müssen die EU-Staaten sicherstellen, dass börsennotierte Unternehmen bis Ende Juni 2026 mindestens 40 Prozent der nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitglieder „mit dem unterrepräsentierten Geschlecht“ besetzen, hieß es in der Erklärung.

Für Mitgliedstaaten, die Quoten sowohl in geschäftsführenden als auch in nicht geschäftsführenden Aufsichtsräten einführen, wird die Anforderung 33 Prozent betragen.

Unternehmen, die dieses Ziel nicht erreichen, müssen „transparente und geschlechtsneutrale Kriterien“ anwenden, um das Problem zu lösen.

Diese Unternehmen müssen auch dann „das unterrepräsentierte Geschlecht vorziehen“, wenn zwei Kandidaten unterschiedlichen Geschlechts gleich qualifiziert sind, heißt es in der Erklärung.

Um den Regeln mehr Nachdruck zu verleihen, müssen die Mitgliedstaaten außerdem ein Sanktionssystem für Unternehmen einrichten, die sich nicht an die Regeln halten.

„Trotz jahrelanger Blockaden bin ich stolz darauf, die Mitgliedstaaten dazu gebracht zu haben, diesem Meilenstein zuzustimmen“, sagte die Europaabgeordnete Lara Wolters, die das Gesetz im Parlament ausgehandelt hat.

Das Gesetz „wird den Fortschritt in 27 Mitgliedsstaaten auf einmal vorantreiben“, sagte sie.

Nach Angaben der Kommission verfügen heute nur neun von 27 Mitgliedstaaten über nationale Gesetze zur Gleichstellung von Frauen und Männern in den Vorständen.

Die Geschlechtervertretung in Aufsichtsräten ist je nach Land sehr unterschiedlich. In Estland sind neun Prozent der nicht geschäftsführenden Posten von Frauen besetzt, während es in Frankreich mehr als 45 Prozent sind. Letzteres hat sein eigenes gesetzliches Ziel von 40 Prozent und ist der einzige EU-Staat, der diese Zahl übertrifft.

Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) – eine EU-Agentur deren Ziel es ist, die EU bei ihren Engagement gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung zu unterstützen – erklärte im April letzten Jahres, dass sich solche verbindlichen Quoten bei der Verbesserung des Gleichgewichts in den Aufsichtsräten als effektiver erwiesen haben als Länder, die laxere oder gar keine Maßnahmen ergreifen.

Dank der Geschlechterquoten ist der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten der größten börsennotierten Unternehmen in der EU von 11,9 Prozent im Jahr 2010 auf 31,3 Prozent gestiegen, so die Agentur.

Dies bedeutet allerdings, dass immer noch sieben von 10 Personen, die in den Aufsichtsräten sitzen, Männer sind.

Bericht: Von der Leyen will EU-weite Frauenquote in Aufsichtsräten großer Firmen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will im ersten Halbjahr 2022 eine europaweite Frauenquote in den Aufsichtsräten großer Unternehmen durchsetzen.

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