EU-Krisenländer: Tausende Jugendliche kommen nach Deutschland

Andrea Nahles fordert, dass Merkel Prioritäten setzt. [© blu-news-org (CC BY-SA 2.0)]

Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in ihren Ländern ziehen tausende junge Menschen nach Deutschland – das laut OECD das zweitbeliebteste Einwanderungsland ist. Die Bundesregierung will die Ausbildung der Betroffenen nun noch intensiver fördern.

Tausende Jugendliche aus EU-Krisenländern sind in den vergangenen Jahren mit staatlicher Hilfe zur Ausbildung nach Deutschland gekommen. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, der Staat wolle seine Fördergelder für die Betroffenen ausweiten.

„In der Krise haben wir ein Stück weit ein neues Kapitel in der europäischen Arbeits- und Ausbildungskultur“, sagte Nahles zum Auftakt einer neuen Förderperiode.

Deutschland hatte 2013 das Bundesprogramm MobiPro-EU ins Leben gerufen, von dem mehr als 7.700 Antragsteller profitierten. Zwei Drittel von ihnen kamen aus Spanien. Diese Förderung soll bis 2018 weiter erhöht werden – von geplanten 139 auf 550 Millionen Euro. Damit sollte vor allem das Deutschlernen gefördert und eine Hilfestellung geboten werden, um sich in Deutschland und der Arbeitswelt zurechtzufinden.

Nur gutes Viertel der betriebe hat Erfahrung mit im Ausland rekrutierten Beschäftigten

Eine Umfrage bei beteiligten Betrieben zeigt, dass zuvor nur 18 Prozent bereits Erfahrung mit im Ausland rekrutierten Beschäftigten hatten. Laut 72 Prozent der Betriebe sei der Mangel an qualifizierten Bewerbungen ihr Hauptgrund.

Von den bislang Geförderten waren ein Viertel bereits ausgebildete Fachkräfte. Weil der Andrang nach Deutschland groß ist, will die Bundesregierung künftig nur noch junge Leute mit Interesse an einer Berufsausbildung in Deutschland fördern.

Nahles lobte, dass Deutschland laut OECD das zweitbeliebtestes Einwanderungsland sei. „Diese Vielfalt, die wir als Einwanderungsland gewonnen haben, tut uns gut, was Lebensqualität angeht. Aber auch für den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt gibt es Gutes zu berichten.“ In vielen Regionen suchten Unternehmen nämlich händeringend nach Fachkräften.

„Vor allem im Vergleich zu den Amerikanern bleiben die Europäer doch recht sesshaft“, sagte Nahles. „Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise beginnt sich das zu verändern. Fast 70 Prozent der Zuwanderer nach Deutschland stammen aus der Europäischen Union.“

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rief zum verstärkten Kampf gegen Arbeitslosigkeit auf. Junge Arbeitslose verlören rasch ihre gesellschaftlichen Werte. Er wies zurück, dass solche Wanderung über die Grenzen hinweg für die einen Länder Vor-, für die anderen Nachteile bringe. Das seien jedoch lediglich Phasen, die verschoben sind. „Auch aus Deutschland seien schon viele junge Leute ins Ausland gegangen“, sagte Weise.  

http://www.euractiv.de/sections/europawahlen-2014/jugendarbeitslosigkeit-was-fehlt-den-wahlprogrammen-von-schulz-und

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