EU-Kompromiss besiegelt Ende der Roaming-Gebühren

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren ist das Ende eines zehnjährigen Prozesses. [Mr.TinDC/Flickr]

Das Ende der Roaming-Gebühren steht kurz bevor: Das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten haben sich auf einen Kompromiss zu letzten Details geäußert.

Das Ende der Roaming-Gebühren ist zum Greifen nahe: In der Nacht zum Mittwoch einigten sich die EU-Institutionen in Brüssel in einem Kompromiss auf letzte Details, wie die EU-Kommission mitteilte. Die Entgelte, die sich Mobilfunkanbieter gegenseitig für die Nutzung ihrer Infrastruktur in Rechnung stellen dürfen, sind nun gedeckelt. Damit können die Roaming-Gebühren zum 15. Juni wegfallen.

Den Angaben zufolge dürfen die Mobilfunkanbieter von ihren Konkurrenten ab 15. Juni höchstens 3,2 Cent pro Anrufminute sowie ein Cent pro SMS verlangen. Beim Datenvolumen ist eine schrittweise Absenkung vorgesehen: Ab 15. Juni sollen Anbieter für die Nutzung ihrer Netze durch Mitbewerber zunächst 7,70 Euro pro Gigabyte verlangen dürfen. Ab Januar 2018 beträgt die Maximalgebühr dann sechs Euro, ein Jahr später 4,50 Euro, im Januar 2020 noch 3,50 Euro, 2021 dann drei Euro. Ab 2022 wird der Preis auf 2,50 Euro pro Gigabyte gedeckelt.

Mit der Maßnahme soll verhindert werden, dass sogenannte virtuelle Anbieter, die lediglich SIM-Karten verkaufen, aber keine eigene Infrastruktur besitzen, von den großen Netzanbietern vom Markt gedrängt werden.

Oettinger zum Roaming: "Wir schließen einige Musterklagen nicht aus"

Ihren strittigen Entwurf zum beschränkten Roaming hat die EU-Kommission einkassiert. Doch was EU-Digitalkommissar Oettinger nun vorstellte, sorgt abermals für Kritik.

Der Einigung müssen Parlament und Mitgliedstaaten noch formal zustimmen. Damit können die Roaming-Gebühr für Telefonate, Kurznachrichten und die Nutzung des mobilen Internets im europäischen Ausland wie seit Längerem geplant zum 15. Juni abgeschafft werden.

Michel Reimon, Mitglied der Grünen im Industrieausschuss des EU-Parlaments, lobte das Verhandlungsergebnis. “Das Europäische Parlament hat in den Verhandlungen die Großhandels-Roaming-Preise um gut 90 Prozent gedrückt und damit indirekt auch die Telefonrechnungen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Im Rat hatten einige Länder im Interesse einzelner Telekomkonzerne dieRoaming-Abschaffung blockiert, „aber die Parlamentsmehrheit ist standhaft geblieben“, so Reimon.

EU-Kommission präsentiert neues Modell für gebührenfreies Roaming

Ob zuhause oder im Ausland: Innerhalb der EU sollen schon bald dieselben Handytarife gelten. Seit 2007 sind die Gebühren für Telefonie, SMS-Versand und mobiles Internet im EU-Ausland bereits um 90 Prozent gefallen.

Jens Rohde MdEP von ALDE-Fraktion im Europäischen Parlament sagte:
„Es ist kein perfekter Deal für den Großhandelsmarkt, aber wir sind mit dem Kompromiss zufrieden, vor allem angesichts des unannehmbaren Ausgangspunkts des Rates und der fehlenden Kompromissbereitschaft in den ersten Verhandlungsrunden.“

Die Aufhebung der Gebühren ist das Ende eines zehnjährigen Prozesses. Seit 2007 sind die erlaubten Aufschläge für Telefonie, SMS-Versand und Datennutzung im EU-Ausland bereits um 90 Prozent gefallen. Zuletzt wurden die Gebühren im April auf fünf Cent pro Anrufminute, zwei Cent pro SMS und fünf Cent pro Megabyte Datenvolumen zusätzlich zu den nationalen Gebühren des eigenen Anbieters gedeckelt.

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