EU-Kommission erwartet noch stärkeren Wirtschaftseinbruch im gebeutelten Spanien

Keine guten Aussichten für Spanien und Regierungschef Pedro Sánchez. [EPA-EFE/Mariscal / POOL]

Die Probleme der spanischen Wirtschaft werden sich verschärfen, so die jüngste Prognose der Europäischen Kommission, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wird. Das BIP Spaniens wird demnach in diesem Jahr voraussichtlich um 12,4 Prozent sinken.

Die Herbstprognose der Kommission wird erneut aufzeigen, dass Spanien zu den EU-Mitgliedsstaaten gehört, die am stärksten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen sind.

Der Herbstprognose zufolge wird das spanische BIP in diesem Jahr um 12,4 Prozent zurückgehen, während die Erholung im kommenden Jahr mit 5,4 Prozent ebenfalls geringer ausfallen wird als zuvor erwartet.

Im Jahr 2022 wird die spanische Wirtschaft dann voraussichtlich um 4,8 Prozent wachsen.

Rezession wird in Italien, Spanien und Frankreich wohl tiefer als erwartet

Italien, Spanien und Frankreich werden in diesem Jahr den stärksten wirtschaftlichen Abschwung unter den Ländern der Eurozone verzeichnen. Dieser wird außerdem heftiger ausfallen als bisher erwartet, so die jüngste Prognose der EU-Kommission.

Spanien gehörte bereits im Juli zu den wirtschaftlichen Schlusslichtern in der EU und lag an vorletzter Stelle vor Italien. Damals ging die EU-Exekutive allerdings noch davon aus, dass die spanische Wirtschaft in diesem Jahr um „nur“ 10,9 Prozent schrumpfen und 2021 um 7,1 Prozent wachsen würde.

Die neueste Prognose der Kommission zeichnet auch im Vergleich zu den Zahlen der spanischen Regierung ein dunkleres Bild. Im vergangenen Monat hieß es aus Madrid, man erwarte einen Rückgang des BIP um 11,2 Prozent 2020 und eine Erholung um 7,2 Prozent im Jahr 2021.

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni wird die Herbstprognose am heutigen Donnerstag um 11 Uhr offiziell vorstellen.

Auswirkungen auf den Haushalt

Die für die viertgrößte Volkswirtschaft der EU prognostizierte schwere Rezession wird auch den Haushalt belasten.

Im vergangenen Mai, als die Kommission ihre Zahlen zu Defizit und Schuldenstand veröffentlichte, wurde vorausgesagt, dass das spanische Defizit in diesem Jahr 10,1 Prozent und im Jahr 2021 6,7 Prozent erreichen wird.

Ebenso wird erwartet, dass die Staatsverschuldung bis Ende 2020 auf 115,6 Prozent hochschnellen und 2021 leicht auf 113,7 Prozent sinken wird.

Spanien ruft erneut nationalen Gesundheitsnotstand aus

Der spanische Premierminister Pedro Sánchez hat wegen stark steigender Coronavirus-Infektionszahlen erneut den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Gentiloni hatte bereits am Dienstag gewarnt, die Indikatoren im Oktober deuteten auf einen schweren Wirtschaftsabschwung in ganz Europa hin: „Die Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen wird sich natürlich auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken.“

Er fügte jedoch hinzu, es gebe „Grund zur Annahme, dass die Auswirkungen geringer sein werden als noch im Frühjahr“. Zum Beispiel seien Unternehmen und Arbeitnehmende jetzt besser auf Telearbeit und Home Office vorbereitet, erklärte der italienische Kommissar.

Pandemie nicht die einzige Sorge

Derweil ist die zweite Pandemie-Welle nicht der einzige Punkt, der die Wirtschaftsaussichten der EU trüben dürfte: Ebenso tun sich Brüssel und London schwer, sich über ihre künftigen Beziehungen zu einigen und ein Handelsabkommen abzuschließen, das die durch den Brexit verursachten wirtschaftlichen Turbulenzen abfedern würde.

EU-Beamte teilten gegenüber EURACTIV.com mit, die Kommission gehe bei ihrer neuesten Prognose davon aus, dass kein Handelsabkommen zwischen der EU und dem UK zustande kommt.

Das Prognosen-Szenario sei also, dass die EU-Staaten und das Vereinigte Königreich ab dem 1. Januar auf Grundlage der Bedingungen der Welthandelsorganisation Handel treiben werden.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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