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23/01/2017

EU-Arbeitsmarkt: OECD gibt Entwarnung trotz Flüchtlingskrise

Finanzen und Wirtschaft

EU-Arbeitsmarkt: OECD gibt Entwarnung trotz Flüchtlingskrise

Der Arbeitsmarkt der EU Flüchtlinge "absorbieren" können, so die OECD.

[Sammy Zimmermanns/Flickr]

Der europäische Arbeitsmarkt kann den derzeitigen Flüchtlingsandrang nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung „absorbieren“. Die Effekte auf die Wirtschaft der EU hingen aber davon ab, wie die Flüchtlinge über die Länder verteilt werden und wie gut ihre Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.

Die Auswirkungen der gegenwärtigen Ankunft von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt sind nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) „insgesamt begrenzt“. Das erklärte die OECD am Donnerstag in Paris. Diese Beurteilung gelte sowohl für eine zurückhaltende Schätzung von 680.000 neu eintreffenden Arbeitskräften als auch für eine weiterreichende Schätzung von knapp einer Million neuen Arbeitskräften – jeweils bis Dezember 2016.

Die Nachfrage könnte laut OECD durch die Zuwanderung in der Größenordnung von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen, insgesamt sei ein „mäßiger belebender Effekt“ zu erwarten. Im Einzelnen würden die Auswirkungen der Zuwanderung von Flüchtlingen jedoch davon abhängen, inwieweit sie sich über die Länder verteilen, in welchen Berufssparten sie Arbeit suchen und vor allem inwieweit ihre Integration in den Arbeitsmarkt gelinge.

Merkel nimmt Europa und Afrika bei Flüchtlingen in die Pflicht

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat derweil auf dem EU-Afrika-Migrationsgipfel eine neue Phase der Zusammenarbeit beider Kontinente eingeläutet und mehr gemeinsame Verantwortung gefordert, illegale Migration zu bekämpfen. „Je besser die illegale Migration bekämpft wird, umso mehr werden wir natürlich auch legalen Austausch fördern“, sagte Merkel am Donnerstag in der maltesischen Hauptstadt Valletta nach der Verabschiedung eines gemeinsamen Aktionsplans. Von europäischer Seite sei klargemacht worden: „Unsere Zukunft liegt in der Legalität des Austausches, nicht in der Finanzierung von Schmugglern und Schleppern.“

Die afrikanischen Staaten hätten zudem eine Verantwortung, ihrer Jugend durch Wachstum, bessere Regierungsführung und Einbeziehung der Zivilgesellschaft eine Perspektive zu geben. Die EU und Deutschland würden dabei helfen, etwa durch den neuen Migrationsfonds. Deutschland biete der Afrikanischen Union zudem verstärkte Ausbildungsprogramme an. Das Gipfeltreffen sei der „Start eines längeren Prozesses“ und deshalb absolut notwendig gewesen. Auf dem zweitägigen Gipfel kamen rund 80 Regierungen aus beiden Kontinenten zusammen.