Erst Shutdown, dann Boom? Was für den Aufschwung 2021 spricht

Folgt auf die Krise ein Aufschwung? Was spricht dafür? [EPA/ARNO BURGI]

Deutschland geht in den harten Shutdown. Es droht eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. “Der Winter wird hart” warnen Wirtschaftsexperten. Doch der Aufschwung könnte womöglich schon im Frühling folgen.

Bund und Länder haben angesichts steigender Infektionszahlen beschlossen, dass bis auf Lebensmittelgeschäfte oder Drogerien alle Läden ab Mittwoch schließen müssen – zunächst bis 10. Januar. Ökonomen sind sich einig: Zusammen mit dem bereits seit Anfang November geltenden Teil-Lockdown wird das dazu führen, dass die deutsche Wirtschaft nach der starken Erholung im Sommer wieder schrumpfen wird – und zwar sowohl im laufenden vierten als auch im anstehenden ersten Quartal. “Der Winter wird hart”, warnt der Wirtschaftsweise Volker Wieland. Trotz der schlechten Ausgangsbasis spricht jedoch einiges dafür, dass 2021 ein starker Aufschwung folgen könnte:

Konsumboom

Ausgefallene Urlaubsreisen, verschobene Autokäufe: Die Verbraucher haben in der Corona-Krise ihr Geld zusammengehalten. Allein im Frühling und Sommer haben sie rund 70 Milliarden Euro mehr zurückgelegt als im Vorjahr, rechnet der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, vor. Dieses Geld könnte nach dem Ende der akuten Corona-Krise in den Konsum fließen und damit die Erholung 2021 stützen.

Hinzu kommt ein zusätzlicher Impuls ab Januar mit dem Wegfall des Solidaritätszuschlags für die meisten Einkommensteuerzahler, dem Ausgleich der kalten Progression sowie ein höheres Kindergeld und ein höherer Kinderfreibetrag. “Bei Alleinerziehenden beträgt die Entlastung bis zu 3000 Euro, bei Familien mit zwei Kindern bis zu 4500 Euro”, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ausgerechnet. Es geht auch deshalb von einem realen Anstieg der Konsumausgaben von knapp vier Prozent aus, was die Konjunktur spürbar anschieben würde.

EU-Gipfel schnürt Finanzpaket von 1,8 Billionen Euro

Die EU-Staats- und RegierungschefInnen haben sich am Donnerstag (10. Dezember) auf den zwischen Deutschland, Ungarn und Polen erzielten Kompromiss zur Freigabe des EU-Finanzpakets in Höhe von insgesamt 1,8 Billionen Euro einigen können.

Weltwirtschaft wächst wieder

Als Export-Europameister ist Deutschland wie kaum eine andere Wirtschaftsmacht von der globalen Konjunktur abhängig. Und die dürfte 2021 wieder Fahrt aufnehmen. Die Industriestaaten-Organisation OECD sagt ein globales Wachstum von 4,2 Prozent voraus, nach einem Minus von 4,2 Prozent im zu Ende gehenden Jahr. Besonders stark dürften die beiden wichtigsten Exportkunden Deutschlands wachsen: Die OECD erwartet für die USA ein Plus von 3,2 Prozent, für China sogar von acht Prozent – womit die Volksrepublik für mehr als ein Drittel des weltweiten Wachstums stehen würde.

“Wenn China produziert, braucht es auch deutsche Maschinen, mit deren Hilfe diese Güter hergestellt werden”, sagt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Selbst im Krisenjahr 2020 wuchsen die deutschen Ausfuhren auch dank China zuletzt sechs Monate in Folge. Die Bundesbank rechnet für 2021 mit einem Exportwachstum von insgesamt 6,5 Prozent.

Es wird wieder investiert

Die deutschen Unternehmen haben sich schon 2019 auffällig bei Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen zurückgehalten – in diesem Jahr wegen der Rekord-Rezession erst recht. Der IW-Herbstumfrage zufolge wollen aber nun 29 Prozent der Unternehmen 2021 mehr investieren und 42 Prozent mindestens genauso viel. Daher geht das Institut davon aus, dass die Unternehmen wegen der erwarteten Konjunkturbelebung ihre Zurückhaltung fallen lassen und real etwa sieben Prozent mehr investieren werden. “Sobald die Wirtschaft im Frühjahr 2021 wieder auf ihren Erholungspfad einschwenkt, die Auslandsnachfrage steigt und die Unterauslastung sinkt, sollten mit gewisser zeitlicher Verzögerung auch die Unternehmensinvestitionen wieder an Schwung gewinnen”, erwartet auch die Bundesbank.

Rentabilität der EU-Banken fällt deutlich

Europäische Banken sehen sich mit großen Verlusten durch faule Kredite sowie andere durch die COVID-19-Pandemie verursachte Kosten konfrontiert: Ihre Rentabilität ist auf einem Negativrekord-Niveau, warnt die Europäische Bankenaufsicht in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Bauboom geht weiter

Seit Jahren gibt es in Deutschland einen Bauboom, den selbst die Corona-Krise kaum gestört hat. Dafür gibt es einen wichtigen Grund, und das sind die extrem niedrigen Zinsen. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Die Europäische Zentralbank hat gerade erst beschlossen, eine halbe Billion Euro zusätzlich in die Wirtschaft zu pumpen und für ihre Geldspritzen an Banken günstigere Konditionen einzuräumen. Niedrige Zinsen und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum sollten die Bauwirtschaft auch im kommenden Jahr beflügeln.

Zwar dürften sich viele Unternehmen nach der schweren Rezession mit Investitionen in neue Fabriken, Büros oder Lagerhallen zurückhalten. Das aber dürfte aufgefangen werden durch öffentliche Bauinvestitionen – etwa ins Schienennetz und den Breitbandausbau oder für Ganztagsschulen und Kitas. Unterm Strich dürften die Bauinvestitionen 2021 um 3,3 Prozent wachsen, erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Können EU-Volkswirtschaften genug wachsen, um die Corona-Schulden zurückzuzahlen?

Die COVID-Pandemie übt Druck auf die Nachhaltigkeit einiger europäischer Volkswirtschaften aus und veranlasst einige zu der Behauptung, dass das Wirtschaftswachstum und die monetäre Unterstützung durch die Europäische Zentralbank nicht ausreichen werden.

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