Die Einbeziehung vermögender Bank-Kunden bei der Sanierung Zyperns ist nach Ansicht der EZB kein Muster für künftige Rettungsaktionen in Europa. Außerdem sei Zypern selbst Schuld daran, dass die Rettungsaktion so lange gedauert habe und viel Flurschaden angerichtet worden sei, kritisiert EZB-Chef Mario Draghi.
"Zypern ist keine Blaupause", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Im Rahmen des Hilfspakets werden zum ersten Mal in der Euro-Schuldenkrise Bank-Kunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro zur Sanierung von Geldhäusern zur Kasse gebeten.
Nach Äußerungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in einem Interview, die Rettung der Mittelmeerinsel könne als Vorbild für künftige Rettungsaktionen dienen, sind viele Bankkunden und auch Anleger deshalb besorgt und der Euro unter Druck.
Dijsselbloem hatte seine Aussagen revidiert, nachdem er von einigen Euro-Finanzministern und Notenbankern dafür attackiert worden war. Draghi betonte, die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten aber die Entschlossenheit der EZB gezeigt, den Euro zu stützen. Diejenigen, die auf ein Auseinanderbrechen des Euro spekulierten, dürften das politische Kapital, das in die Gemeinschaftswährung investiert wurde, nicht unterschätzen.
Die EZB hatte Zypern ein Ultimatum gesetzt und gedroht, den maroden Banken des Landes den Hahn zuzudrehen, wenn es nicht zu einer Einigung mit den internationalen Geldgebern kommt.
Einiges läuft falsch
Inzwischen sei Europa in der Lage, schwere Krisen in manchen Ländern bewältigen zu können, ohne dass sie systemisch würden und damit das gesamte Finanzsystem in Gefahr brächten, ergänzte Draghi. Ein Ausstieg Zyperns aus der Euro-Zone, den einige Ökonomen für eine gute Idee halten, würde die Probleme des Landes nicht beseitigen. Es laufe einiges falsch. Dies würde sich nicht ändern, wenn Zypern nicht mehr Teil der Euro-Zone wäre.
Überhaupt sei Zypern selbst Schuld daran, dass die Rettungsaktion so lange gedauert habe und viel Flurschaden angerichtet worden sei, kritisierte Draghi. Zypern habe selbst alle Sparer und nicht nur die vermögenden Bankkunden in die Pflicht nehmen wollen, um den geforderten eigenen Sanierungsbeitrag zu stemmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Euro-Finanzminister hätten dies nicht gewollt. "Das war nicht gerade geschickt, um es noch nachsichtig auszudrücken." Zumindest sei es von den Finanzministern der Euro-Zone schnell korrigiert worden.
EURACTIV/rtr
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EURACTIV Brüssel: Draghi slams handling of Cyprus bailout (5. April 2013)

