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11/12/2016

Draghi: Drei Risiken für den Aufschwung in der Euro-Zone

Finanzen und Wirtschaft

Draghi: Drei Risiken für den Aufschwung in der Euro-Zone

EZB-Chef Mario Draghi: "Wir haben allen Grund, mehr Vertrauen in die Stärke der Erholung zu haben als noch vor einem Jahr."

[miqu77/ Shutterstock]

Die Euro-Zone steht laut EZB-Chef Mario Draghi drei großen Herausforderungen gegenüber: ertragsschwachen Banken, niedriger Inflation und der Abhängigkeit von geldpolitischer Unterstützung. EurActiv-Kooperationspartner Milano Finanza berichtet.

Nur noch wenige Wochen sind es bis zum Vorstandstreffen der Europäischen Zentralbank (EZB) am 8. Dezember. Hier entscheidet sich, ob die Bank ihr Programm zur quantitativen Lockerung fortsetzen wird. Es ermöglicht der Institution, noch bis März 2017 monatliche Anleihekäufe in Höhe von 80 Milliarden Euro vorzunehmen. Mithilfe des Programms soll die Inflationsrate – letzten Monat noch bei 0,5 Prozent – näher an die angestrebten zwei Prozent des BIPs der Euro-Zone herangerückt werden.

Die Geschäfte der europäischen Bank haben sich verbessert, erklärte Mario Draghi in seiner Rede vom 18. November im EZB-Hauptquartier in Frankfurt am Main. Gleichzeitig seien die notleidenden Kredite und Bonitätsverschlechterungen leicht zurückgegangen. „Wenngleich die Bestände an notleidenden Krediten in einigen Ländern nach wie vor hoch sind, liegt das Problem aktuell eher in der Rentabilität als in der Solidität der Bilanzen, denn die Deckungsquoten betragen nahezu 50 %, und der übrige Teil ist weitgehend besichert“, so Draghi.

Mit Blick auf die allgemeine Situation in der Euro-Zone bekräftigt er: „Wir haben allen Grund zu mehr Vertrauen in die Stärke der wirtschaftlichen Erholung als vor einem Jahr. Aber wir können nicht zuversichtlich sein, was den ökonomischen Ausblick angeht.“

„Neben den anhaltenden geopolitischen Risiken gibt es nämlich drei Faktoren, die zur Vorsicht mahnen: die Rentabilität der Banken im Euroraum, die relativ schwache Inflationsdynamik und die Abhängigkeit der Erholung von der akkommodierenden Geldpolitik“, betont er. „Wir brauchen einen starken Bankensektor, damit die Wirtschaft in der Erholungsphase gestützt werden kann. Wenn uns die vergangenen zehn Jahre aber eines gelehrt haben, dann Folgendes: Der Bankensektor kann nur dann wirklich robust sein, wenn er wirksam reguliert wird.“

Der italienische Banker besteht darauf, es herrsche „weitgehend Einigkeit darüber, dass die übermäßige Deregulierung des Finanzsektors in den vergangen zwei Jahrzehnten eine der Hauptursachen für die weltweite Finanzkrise war. […] Daher ist die Re-Regulierung des Finanzsektors im Grunde Teil der Wachstumsagenda.“ Große Fortschritte habe es bereits bei der Korrektur von Fehlern aus Vorkrisenzeiten gegeben.

Obwohl die aktuellen Entwicklungen ihm zufolge ermutigend sind, sei der Aufschwung im Euroraum „noch in erheblichem Maße von der lockeren Geldpolitik abhängig“.

In diesem Sinne werde die EZB auch in Zukunft auf alle im Rahmen ihres Mandats verfügbaren Instrumente zurückgreifen, um sich einem Inflationsniveau von zwei Prozent zu nähern.

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