Doppelstandards bei Lebensmitteln: EU hilft Osteuropa

In Osteuropa offenbar weniger cremig als anderswo: der Brotaufstrich einer bekannten Marke. [Foto: Phototasty]

Schlechtere Qualität, Süßstoff statt Zucker, weniger Inhalt: Ungarn und die Slowakei fühlen sich von Konzernen mit Lebensmitteln schlechter Qualität abgespeist. Der EU-Gipfel will Osteuropa nunhelfen.

Osteuropäische Staaten fühlen sich von den großen Lebensmittelkonzernen mit minderwertigen Produkten abgespeist – und sollen für ihr Anliegen nun die Unterstützung der EU-Staats- und Regierungschefs bekommen. In dem Entwurf der Abschlusserklärung zum Brüsseler Gipfel, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, stellten sich die EU-Chefs ausdrücklich hinter die Forderung Ungarns und der Slowakei, der Frage von Doppelstandards bei der Produktqualität in unterschiedlichen Ländern auf EU-Ebene nachzugehen.

Ungarn, die Slowakei und einige andere osteuropäische Staaten beklagen eine gezielte Benachteiligung durch die internationalen Lebensmittel-Multis. Sie beklagen, dass die Konzerne ihre Produkte in verschiedenen EU-Ländern unter gleichem Namen und mit gleicher Verpackung verkaufen – dass die Qualitätsstandards aber hinter jenen in Westeuropa zurückblieben. Dies untergrabe das Vertrauen der Verbraucher, argumentierten Ungarn und die Slowakei in einem am Montag vorgelegten Papier.

Die ungarische Lebensmittelbehörde hatte im vergangenen Monat die Ergebnisse einer Untersuchung von 24 Produkten großer Hersteller veröffentlicht. Sie stieß nach eigenen Angaben auf zahlreiche Mängel.

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So sei die in Ungarn verkaufte Nutella von Ferrero „weniger cremig“ als die in Österreich. Die Coca-Cola in Ungarn sei „weniger vollmundig und flacher“ im Geschmack als die im Nachbarland. In den Tütensuppen von Knorr stecke rund 20 Prozent weniger Pulver – die Verpackung sei dieselbe. Die Lebensmittelbehörde forderte daraufhin eine „faire Behandlung“ und ein Ende der „doppelten Standards“.

Die slowakischen Lebensmittelprüfer kamen nach eigenen Angaben zu ähnlichen Ergebnissen. Produkte, die in der Slowakei verkauft wurden, hätten oft einen höheren Fett- und einen niedrigeren Fleischgehalt als in westeuropäischen Ländern, beklagten die slowakischen Experten. Statt Zucker würden Süßungsmittel eingesetzt, statt Fruchtzusätzen künstliche Aromastoffe.