Die Woche der Kleinen und Mittleren

Diese Woche richtet sich der Blick auf kleine und mittlere Unternehmen [shutterstock]

Es ist KMU-Woche in Europa, bereits zum achten Mal. In diesem Rahmen sollen kleine und mittlere Unternehmen gefördert werden. Die Federführung liegt bei der EU-Kommission.

Eine zentrale Website, einen eigenen Twitter-Kanal, Veranstaltungen und zahlreiche Informationsangebote. So will die EU-Kommission diese Woche das Kleinunternehmertum fördern. In allen Mitgliedsländern und darüber hinaus finden Veranstaltungen statt, bei denen sich angehende Unternehmer über Fördermöglichkeiten informieren können. Gerade junge Leute sollen motiviert werden, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen.

Der Fokus auf die KMU macht Sinn. Schließlich zählen laut einem Bericht der Statistikbehörde Eurostat 97,8 Prozent aller Unternehmen in der EU zu den KMU, sprich: sie haben weniger als 250 Beschäftigte. 65 Prozent der Unternehmen in der EU haben sogar weniger als zehn Beschäftigte. KMU zeichnen für rund die Hälfte des Intra-EU-Warenhandels verantwortlich. Aufgrund dieser Werte werden sie häufig als Herz der EU-Wirtschaft bezeichnet.

Dabei fühlen sich gerade die Kleinen häufig benachteiligt. Beispiele sind Handelsverträge wie CETA oder Jefta, in denen die Interessen der KMU laut Verbänden nicht angemessen berücksichtigt werden. In vielen Branchen macht sich die Sorge um Verdrängungskonkurrenz ausländischer Großunternehmen breit. Auch die Unternehmensanleihekäufe der EZB sind in die Kritik geraten, weil sie nur an Großunternehmen gerichtet sind und so zu Wettbewerbsnachteilen für KMU führen. Und in der Lobbyblase Brüssel können KMU ohnehin nicht mitreden. Während die Großen ihre Lobbyisten mit Millionenetats ausstatten um im Institutionengefüge der EU ihre Interessen geltend zu machen, haben die kleinen wenig zu bieten.

Kahlschlag bei Siemens

Der Münchner Industriekonzern Siemens will in den nächsten Jahren weltweit 6.900 Arbeitsplätze streichen, davon die Hälfte in Deutschland. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

Aber auch in den Mitgliedsstaaten sind KMU häufig benachteiligt. Beispielsweise bei den Steuersystemen. In Deutschland gilt: Je keiner die Unternehmen, desto häufiger handelt es sich um Personengesellschaften. Personengesellschaften unterliegen der Einkommensteuer. Sprich, sie zahlen bis zu 42 Prozent ihres Gewinns an den Staat. Kapitalgesellschaften hingegen zahlen nur 15 Prozent und haben noch dazu zahlreiche Umgehungsmöglichkeiten.

Die KMU sind also mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Gut, dass sich der Blick verstärkt auf sie richtet. Informations- und Förderangebote sind wichtig. Sie können Gründern helfen, etwas aufzubauen und bestehende KMU dabei unterstützen, sich auf globalisierten Märkten ihren Platz zu sichern. Um der Tendenz zu immer weniger, immer größeren Anbietern zu begegnen, bräuchte es aber mehr.

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