2021 ist das europäische „Jahr der Schiene“ – und in Frankreich scheint man dies gebührend angehen zu wollen. Am Donnerstag ist die Nachtzug-Verbindung zwischen Paris und Nizza offiziell wieder aufgenommen worden. Mit an Bord während der „Jungfernfahrt“: Ministerpräsident Jean Castex. EURACTIV Frankreich berichtet.
In Frankreich werden 100 Millionen Euro investiert, um zwei Nachtzuglinien wieder in Betrieb zu nehmen. Die Investitionen sind Teil eines größeren Bahn-Pakets im Umfang von 4,3 Milliarden Euro aus den Recovery-Mitteln.
Nach Angaben der Regierung werden die Gelder des Weiteren für „die Erneuerung der Infrastruktur, die ökologische Umstellung der Gleisinstandhaltung, den Güterverkehr oder auch den Kampf gegen Lärmbelästigung, die Barrierefreiheit von Bahnhöfen und die Sicherheit von Bahnübergängen“ verwendet.
Zuletzt bestand das Nachtzugangebot in Frankreich lediglich aus zwei Verbindungen: Paris-Briançon und Paris-Rodez.
Dabei ist der Nachtzug nicht nur relativ günstig (19 bis 29 Euro für die neue Strecke Paris-Nizza), sondern bekanntlich auch umweltschonender als Flüge.
Greenpeace Frankreich rechnet vor: „Ein Flugzeug verbraucht für eine vergleichbare Reise sechsmal mehr Energie als ein Zug.“ Bei Hin- und Rückflug von Paris nach Zürich würden beispielsweise 300 kg C02 pro Person emittiert; der Zug kommt auf 48 kg.
Die Reduzierung von Treibhausgasen während der Fahrt an sich ist dabei nicht der einzige ökologische Vorteil des Nachtzugs: Im Gegensatz zu Flughäfen haben Bahnhöfe schließlich den Vorteil, „dass man sie mit dem Fahrrad erreichen beziehungsweise am Ziel direkt mit anderen Verkehrsmitteln weiterfahren kann,“ erklärt ein Aktivist namens Adrien vom Kollektiv Oui au train de nuit (Ja zum Nachtzug).
Paris-Wien, Zürich-Rom, Berlin-Brüssel
Oui au train de nuit fordert außerdem eine Ausweitung des europäischen Angebots an Nachtzügen. Unter anderem müsse die Zusammenarbeit verbessert werden, sodass es möglich ist, „Fahrkarten mit garantierten Verbindungen für Züge verschiedener Betreiber zu kaufen“.
Nach derzeitigem Stand könnte der Wunsch bald in Erfüllung gehen: Im Dezember 2020 kündigten die österreichischen (ÖBB), deutschen (DB), schweizerischen (CFF/SBB) und französischen (SNCF) Bahnunternehmen die Einrichtung weiterer europäischer Nachtzuglinien ab Dezember 2021 an.
Zukünftige Routen sollen demnach Paris-Wien, Zürich-Rom, Paris-Berlin und Berlin-Brüssel umfassen.
Im Jahr 2019 hatten 1,5 Millionen Menschen einen „Nightjet“ genutzt, die Nachtzüge der österreichischen ÖBB, die in Europa als führend gilt.
„Wir haben vor COVID-19 einen Aufwärtstrend beobachtet, mit einer Steigerung der Buchungen von gut zehn Prozent pro Jahr,“ fasst ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder zusammen. „Im Jahr 2019 interessierten sich außerdem immer mehr junge Leute, die bisher Billigflüge genutzt haben, für Nachtzugreisen,“ fügt er hinzu.
Zwar habe die Pandemie dem Erfolg des Nachtzuges einen Dämpfer verpasst, bei der ÖBB wolle man ab dem 24, Mai aber alle bisherigen Verbindungen wieder aufnehmen.
Und in Frankreich? Im Januar kündigte Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari an, er wolle bis 2030 im Land ein Dutzend Nachtzüge wieder auf die Schiene bringen. Weiter gehen soll es Ende 2021 mit der Verbindung Paris-Tarbe.






