Die Party ist vorbei

Laut IWF droht schlechtes Wetter für die Weltwirtschaft. [shutterstock/Buble Dee]

Der Internationale Währungsfonds senkt seine Prognose für das Wirtschaftswachstum: Die USA und China werden zur echten Bedrohung. Doch auch in Europa ist die Lage nicht gerade rosig.

Treffender, wenn auch auf tragische Weise, hätten IWF und Weltbank den Austragungsort für ihre diesjährige Herbsttagung kaum auswählen können. Rund um Bali, wo sich von Donnerstag bis Samstag Dutzende Finanzminister und Notenbankchefs treffen, grummelt in diesen Tagen die Erde im indonesischen Archipel. Auch in der Weltwirtschaft rumort es. Die Wirtschaft wächst zwar noch in vielen Ländern, aber die IWF-Auguren reduzieren inzwischen ihre Prognosen.

Die Verursacher scheinen ausgemacht. Zum einen bereiten die protektionistischen Tendenzen der US-Regierung Sorgen. Die Trump-Administration ist mit ihrem Drängen auf „fairen“ Handel dabei, den freien Warenaustausch abzubremsen. Am bedrohlichsten wirkt der Handelskonflikt mit China, in dem die beiden größten Wirtschaftsmächte gerade dabei sind, sich mit gegenseitigen Zollaufschlägen in einen massiven Konflikt hineinzusteigern.

Oben drauf kommt die Zinspolitik der USA. Weil dort die Zinsen steigen und viele Staaten sich in US-Dollar verschulden, ächzen diese unter steigenden Schuldendiensten. Eine ganz besondere Rolle spielt hier China, denn das aufstrebende Reich der Mitte vergibt seit Jahren großzügig Kredite an viele Entwicklungsländer in Afrika und Asien. Diese lassen sich die Chinesen aber hoch verzinsen. Selbst im Bundesfinanzministerium schlagen die Experten inzwischen Alarm. Die betroffenen Länder drohen unter der neuen Schuldenlast zusammenzubrechen. Der nach Bali gereiste Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) möchte deshalb die chinesische Seite zu einer verantwortlicheren Kreditvergabe mahnen  und darüber hinaus China mit in die Verantwortung nehmen, sollten einzelne Entwicklungsländer in die Zahlungsunfähigkeit rutschen.

Hightech-Strategie soll Deutschland an der Spitze halten

Deutschland zählt zu den weltweit führenden Industrienationen. Doch in Zeiten wirtschaftlicher Umbrüche werden die Karten neu gemischt. Die Hightech-Strategie 2025 soll den Standort an der Spitze halten.

Aber auch in Europa ist die Lage nicht gerade rosig. Nach Griechenland bereitet nun das viel größere Italien Sorgen. Die Regierung in Rom scheint wenig interessiert daran, den hoch defizitären Staatshaushalt sanieren zu wollen. Am liebsten würde die dortige Rechtsregierung die anderen Europäer und insbesondere die Deutschen durch eine Vergemeinschaftung ihrer Schulden mitverhaften. Für Bundesfinanzminister Scholz kommt dies jedoch genauso wenig in die Tüte wie zuvor für seinen Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble.

Für Scholz ist die Reise nach Bali nicht vergnügungssteuerpflichtig. Es stehen ernste und wahrscheinlich frustrierende Gespräche für den Minister auf dem Programm. Tatsächlich hat der SPD-Politiker in den vergangenen Tagen mehrfach erwogen, nicht zur Herbsttagung zu fliegen – wegen der schwierigen Erdbebenlage. Und als der Regierungs-Airbus A340-300 in der Nacht zum Donnerstag gerade Thailand überflog und die Erde vor der Küste von Bali bebte, gab es an Bord kurzzeitig die Überlegung, nach Singapur auszuweichen. Doch nun ist Scholz auf Bali und in einem Gesprächsmarathon mit seinen Amtskollegen aus aller Welt. Zumindest ist er hier weit weg von den Querelen der Bundespolitik und seiner desolaten SPD.

Weitere Informationen

„Ungleichheit reduzieren um wirtschaftliche Dynamik zu entfachen“

Wohlstand ist eines der großen Versprechen der Europäischen Integration, doch die Löhne in der EU steigen nur moderat. Zudem gefährdet mangelnde Lohnkonvergenz die Stabilität der Währungsunion. EURACTIV sprach mit Thorsten Schulten.

Handelskonflikte bremsen Wachstum

Handelsstreitigkeiten und andere Unsicherheitsfaktoren belasten das Wachstum der Weltwirtschaft, warnt der Internationale Währungsfonds. Schwellen- und Entwicklungsländer sind besonders starkt betroffen.

Das schmutzige Geschäft mit Lkw-Fahrern aus Osteuropa

Sie kommen aus der Ukraine oder Moldawien und transportieren im Lkw Güter für Europa. Aber die Bezahlung ist schäbig – und die EU verwehrt ihnen ihre Rechte. Eine Recherche von "Investigative Europe".

Subscribe to our newsletters

Subscribe