Deutsches Geschäftsklima: „Hoffnungsschimmer“ auf niedrigem Niveau

Im April konnten die Geschäfte wieder öffnen, dieses hier in Essen teilte seine Freude direkt mit. Die Unternehmen schöpfen Hoffnung, doch sie wissen: Es wird ein langer Weg zurück in die Normalität. [FRIEDEMANN VOGEL/EPA]

Das deutsche Geschäftsklima verbessert sich: Laut einer Ifo-Umfrage findet die Wirtschaft ihren Optimismus wieder. Allerdings ist dieses Phänomen mit Vorsicht zu genießen, denn weiterhin fehle vielen Unternehmen die Zukunftsperspektive, warnt die DIHK.

Die deutsche Wirtschaft wird in der Krise wieder optimistischer. Das besagt zumindest der Geschäftsklimaindex für Juli, den das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag präsentierte. Seit Juni stieg der Index von 86,3 auf 90,5 Punkte, was nahelegt, dass Unternehmen nicht nur ihre derzeitige Geschäftslage positiver sehen als noch vor einem Monat, sondern auch, dass ihre Erwartungen für die Zukunft vorsichtig optimistischer geworden sind.

Es ist der dritte Anstieg in Folge. „Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise“, schließt daraus Clemens Fuest, Leiter des Ifo. Besonders deutlich verbesserte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe, wobei in letzterem die Kapazitätenauslastung immer noch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent liegt – trotz eines kräftigen Anstiegs im letzten Monat von 70,4 auf 74,9 Prozent.

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Schritt für Schritt aus dem Keller

Diese Zahlen seien zwar „ein erster Hoffnungsschimmer“, dürften aber nicht zu falschem Optimismus führen, warnt Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin für internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Die hiesigen Unternehmen spüren, dass die Krise noch lange nicht überwunden ist“, so Vogelbach. Man könne „nicht von Euphorie reden“.

Bei den Ifo-Zahlen handele es sich um einen Anstieg auf niedrigem Niveau. „Wenn man im Keller sitzt, und es dann zwei Treppenstufen hinauf geht, ist das im Vergleich natürlich besser“, so Vogelbach. Man sei aber immer noch „weit entfernt“ von der wirtschaftlichen Situation vor der Pandemie.

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Auch der britische Chefunterhändler David Frost schloss eine Einigung noch im Juli aus. Beide Seiten äußerten aber Hoffnung auf eine Verständigung in den kommenden Monaten. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt.

Der lange Weg zurück

Fragt man Unternehmen nämlich konkreter nach ihrer Erwartung, wann sie wieder auf Vor-Pandemie-Level wirtschaften können, antworten sie pessimistischer, wie der DIHK durch eine Blitzumfrage herausfand: Im Juni rechneten demnach 39 Prozent der Betriebe erst im Verlauf des Jahres 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität. Elf Prozent glaubten sogar erst an eine vollständige Erholung nach 2021. Das waren doppelt so viele wie im Mai. Ein Drittel der Befragten erwartet hingegen, noch dieses Jahr zum Vorkrisenniveau zurückzukehren.

Diese Zahlen widersprechen dem Ifo-Bericht nicht, aber sie liefern Kontext zur Einschätzung der ganzheitlichen Stimmung unter Unternehmen: Verbesserungen sind spürbar und lassen hoffen, auf lange Sicht aber herrscht immer noch große Unsicherheit.

Das liegt auch an der großen Export-Abhängigkeit deutscher Unternehmen: „Aufgrund zahlreicher wirtschaftlicher und staatlicher Herausforderungen zur Bewältigung der Krise in vielen Ländern“ büßen deutsche Firmen zusätzlich Umsätze ein, etwa aufgrund von „Reiseeinschränkungen, einer geringeren Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sowie weltweit weniger Investitionen“, schließt eine aktuelle DIHK-Sonderumfrage.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erwartet indes einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland ab Oktober. Dieser dürfte bis 2021 und in 2022 hinein nachhaltig stark bleiben, sagte er bei einer Pressekonferenz letzte Woche.

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