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23/01/2017

Deutsche Initiative kämpft gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Finanzen und Wirtschaft

Deutsche Initiative kämpft gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Jugendarbeitslosigkeit wächst sich in Europa zum ernsten Problem aus: In Spanien und Griechenland ist mittlerweile rund die Hälfte der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz oder Job. Nun wollen deutsche Unternehmen in betroffenen Ländern beim Berufsstart helfen.

Eine neue Initiative der deutschen Wirtschaft will arbeitslosen Jugendlichen in Europa wieder eine Perspektive geben. Es sei eine menschliche, gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Katastrophe, „wenn in einem hochentwickelten Kontinent wie Europa junge Menschen keine Chance erhalten“, sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Dienstag in Berlin. Er hatte deshalb im Frühjahr die Initiative „In Charge for the next generation in charge“ (zu Deutsch etwa: Verantwortlich für die nächste Generation in Verantwortung) ins Leben gerufen, die nun offiziell an den Start ging.

Die Initiative will vor Ort in den Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit helfen. „Wir wollen keine begabten Pedros nach Deutschland holen, um aus ihnen einen Peter zu machen“, erläuterte Neumann. Er sei überzeugt, dass die Jugendlichen vor Ort gebraucht würden und dort auch sein wollten.

Für den Weg ins Berufsleben wollen die beteiligten Unternehmen den Jugendlichen laut Neumann vor allem drei Dinge mitgeben: Motivation, Orientierung, Qualifikation. Angeboten werden sollen – auch in Zusammenarbeit mit einheimischen Firmen – unter anderem Praktika, Trainings oder gar „ein richtiger Job“, betonte der Opel-Chef. Doch könnten Arbeitsplätze nicht unbegrenzt geschaffen werden.

An „InCharge“ sind bisher 25 Unternehmen und Persönlichkeiten aus Deutschland beteiligt. Die Unterstützerzahl soll binnen eines Jahres auf hundert anwachsen. Ziel ist die Formel: 100 mal 100. Hundert Unterstützer bieten jeweils hundert Chancen.

Als erstes will die Initiative arbeitslosen Jugendlichen in Spanien helfen, wo die Jugendarbeitslosigkeit im Mai bei fast 50 Prozent lag. Im spanischen Saragossa veranstalteten mehr als 20 deutsche und spanische Firmen Ende Juni bereits einen Coaching Day, bei dem mehr als 400 Jugendliche Kontakte zu Firmen knüpfen und sich bei der Karriereplanung beraten lassen konnten. In der zweiten Jahreshälfte will die Initiative Projekte in Portugal anstoßen, später sollen andere Länder folgen. Ob darunter auch Griechenland ist, muss sich erst noch zeigen. Dort seien die Unternehmen noch in „abwartender Haltung“, es fehle noch der „sichere Tritt, um aufzusetzen“, sagte der Projektleiter von „InCharge“, Joachim Koschnicke. Die Initiative sei aber in „Lauerstellung“.

Unterstützung bekommt die Initiative von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Sie lasse sich gern „in den Dienst nehmen“, dass die Zahl der unterstützenden Unternehmen wachse, betonte sie. Der Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Florian Haggenmiller, begrüßte die Initiative, forderte zugleich aber auch, die ausländischen Jugendlichen nicht „mit Praktika abzufrühstücken“ oder die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern.

Griechenland verfügt neben Spanien, Kroatien und Italien über die höchste Quote bei der Jugendarbeitslosigkeit. In der gesamten Europäischen Union waren im Mai nach Angaben des Statistikamts Eurostat insgesamt 4,7 Millionen junge Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit.