Die Krim-Krise drückt auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der Konflikt zwischen Russland und dem Westen sorgt in den Chefetagen der Firmen allerdings noch nicht für Panik.
Dennoch bewerten die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten deutlich skeptischer als zuletzt, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 7.000 Managern mitteilte. Deshalb sank das Barometer für das Geschäftsklima im März stärker als erwartet um 0,6 auf 110,7 Punkte – und erstmals nach zuvor vier Anstiegen. „Die Krise der Schwellenländer und die Ereignisse auf der Krim zeigen ihre Wirkung“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
„Es ist eine gewisse Vorsicht in der deutschen Wirtschaft eingekehrt“, fügte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe in einem Reuters-Interview hinzu. „Das Wort ‚Unsicherheit‘ wäre zu stark.“ Denn noch gebe es keine konkreten Auswirkungen. Der Ukraine-Konflikt trifft die hiesige Wirtschaft in einer Phase, in der es konjunkturell spürbar noch oben geht. Für Anfang 2014 erwarten Ökonomen, dass sich das Wachstum zum Vorquartal auf rund 0,8 Prozent in etwa verdoppelt.
„Die gute Nachricht lautet: Noch läuft die deutsche Wirtschaft rund“, betonte der Chefvolkswirt des Industrie- und Handelskammertags, Alexander Schumann. So beurteilten die vom Ifo befragten Firmen ihre gegenwärtige Situation so gut wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Lage stieg unerwartet deutlich um 0,8 auf 115,2 Zähler. Der Teilindex für die Geschäftsaussichten hingegen fiel überraschend stark um 1,9 auf 106,4 Punkte. „Darin spiegeln sich vermutlich die Sorgen um die Ukraine-Krise und die Wachstumsabschwächung in den asiatischen Schwellenländern wider“, so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Die deutsche Wirtschaft hat zuletzt wegen der Krim-Krise vor einer Sanktionsspirale gewarnt. Bisher hat der Westen sich erst zu vergleichsweise geringen Strafen durchgerungen, etwa Einreiseverbote und gesperrte Konten. „Sollte es zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland kommen, so werden auch in Deutschland negative Effekte für die Konjunktur nicht zu vermeiden sein“, betonte Michael Holstein von der DZ Bank. Problematisch wären nach Ansicht vom Bankhaus Lampe ein „Vertrauensrückgang“ und ein Lieferengpass beim Gas, falls Russland als Energielieferant ausfalle. „Das würde die Erholung der Weltwirtschaft aufgrund der aktuellen diplomatischen Eiszeit zwischen Russland und den G7-Staaten noch mehr infrage stellen.“
Unstrittig ist allerdings, dass Sanktionen beiden Seiten schaden würden. Deshalb hoffen viele Beobachter darauf, dass sich der Konflikt nicht weiter zuspitzt. „Wir setzen darauf, dass alle in Ost und West das Thema mit Bedacht angehen, ohne dass ein großer Wirtschaftskrieg entsteht“, hatte VW-Chef Martin Winterkorn jüngst gesagt. Den deutschen Autobauern, die nicht selbst in Russland produzieren, macht momentan der schwache Rubel zu schaffen. Da die russische Währung an Wert verliert, kassierte der Arzneimittel-Hersteller Stada bereits seine Ziele für 2014. Der Energiekonzern E.ON bekam schon im vergangenen Geschäftsjahr die Rubel-Schwäche zu spüren.
Die Stimmung trübte sich im März – mit Ausnahme des Einzelhandels – in allen Branchen ein. Die Industrie-Betriebe bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage zwar erneut besser und damit so gut wie zuletzt im Frühjahr 2012. Allerdings blickten sie skeptischer in die Zukunft. Auch im Großhandel, am Bau und bei den Dienstleistern sackte die Stimmung ab. Die Finanzmärkte reagierten dennoch gelassen auf die Ifo-Daten: Der Aktienindex Dax lag 1,6 Prozent im Plus. „Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer“, betonte NordLB-Analyst Mario Gruppe.
In Frankreich hingegen verbesserte sich die Stimmung der gesamten Wirtschaft leicht, während das Geschäftsklima in der Industrie stagnierte. Zuletzt hatten Umfragen signalisiert, dass es bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner nach einer längeren Durststrecke wieder bergauf geht.

