Deutsche Dieselgate-Opfer erhalten Entschädigung

Volkswagen wird 830 Millionen Euro als Entschädigung an die deutschen VW-Dieselbesitzer zahlen. [Shutterstock]

Volkswagen wird 830 Millionen Euro als Entschädigung an die deutschen VW-Dieselbesitzer zahlen. Eine führende Verbraucherschutzgruppe sagte, das Angebot sei „nicht großzügig“ und stelle nur einen Bruchteil dessen dar, was US-Fahrern zugesprochen wurde.

Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband am Freitag, den 28. Februar, mitteilte, wurde mit dem Autohersteller eine “umfassende Einigung” erzielt. Damit haben 260.000 vom Dieselgate betroffene VW-Kunden nun Anspruch auf Entschädigung.

Im September 2015 hatte die US-Umweltschutzbehörde entdeckt, dass Volkswagen bei bestimmten Modellen so genannte Cheat Devices eingebaut hatte, um die Abgastests auszutricksen. Später wurde festgestellt, dass diese Praxis weltweit durchgeführt wurde.

VW hat sich nun bereit erklärt, zwischen 1.350 und 6.257 Euro an jeden deutschen Fahrer zu zahlen, der sich für eine Sammelklage angemeldet hat, je nach Alter und Modell seines Autos. Das Vergleichsangebot enthält auch individuelle Anwaltskosten von bis zu 190 Euro netto.

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„Durch diesen Vergleich ergibt sich für die geschädigten Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt eine zusätzliche Handlungsoption. Sie haben die Wahlfreiheit und können jetzt entscheiden, ob sie schnell und unkompliziert zu ihrem Geld kommen möchten, oder ob sie individuell weiter klagen wollen. Denn der Vergleich gibt vielen Verbrauchern eine Chance, ein sehr unerfreuliches Kapitel zügig zu beenden oder aber eine individuelle Klage für eine andere Lösung anzustrengen.”, sagte VZBV in einer Erklärung.

Der Fall wird weitergeführt, wenn weniger als 30 Prozent der Kläger das Angebot ablehnen.

Nur Fahrer, die ihr Auto nach dem 31. Dezember 2015 gekauft haben, nachdem der Skandal aufgedeckt wurde, haben Anspruch auf Entschädigung. Die Verbraucher müssen sich zum Zeitpunkt des Kaufs auch rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben.

„Der vzbv hat für mehr gestritten. Aber im Rahmen der schwierigen Verhandlungen ist das Ergebnis das maximal Erreichbare“, betonte Klaus Müller, der Geschäftsführer von Verbraucherzentrale Bundesverband.

Müller fügte hinu, dass “das Volkswagen-Angebot nicht großzügig [ist], liegt aber im Rahmen der bisher in Individualvergleichen erzielten Summen.”

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“Made in America” ist besser

Im Jahr 2016 stimmte VW im Rahmen einer Vereinbarung mit der US-Regierung der Zahlung von fast 15 Milliarden Dollar an Entschädigung zu. Amerikanische Fahrer hatten Anspruch auf den vollen Wert ihrer Autos vor dem Skandal sowie auf eine Schadenersatzzahlung von 10.000 Dollar.

Außerdem musste der Wolfsburger Autobauer mehr als zwei Milliarden Dollar zur Finanzierung von Luftreinhaltungsprogrammen und Umweltinitiativen zahlen. Einen ähnlichen Betrag in Euro hat der Konzern in Deutschland in Form von Bußgeldern gezahlt.

Verärgerte deutsche Autofahrer haben bis zum 20. April Zeit, das kollektive Angebot anzunehmen oder abzulehnen. VW beharrte auf dem engen Termin, weil der Bundesgerichtshof ab dem 5. Mai darüber entscheiden wird, ob individuelle Schadenersatzansprüche eine rechtliche Grundlage haben.

„Die Verbraucher haben das Recht, einen individuellen Anspruch geltend zu machen. Aber sie müssen dann ein gewisses Risiko eingehen. Wer weniger Risiko eingehen möchte, kann das Vergleichsangebot annehmen“, ergänzte Klaus Müller.

Der jüngste heftige Vorstoß von Volkswagen in den Elektroautomarkt ist eine Folge des Abgasskandals, denn der Autohersteller will das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. Seine Initiativen reichen von der Erhöhung der Verkaufsziele bis zur Umstellung ganzer Fabriken auf die Produktion von reinen Elektrofahrzeugen.

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[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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