Deutsche Autobauer warnen Trump

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"Wer nur auf die automobile Handelsbilanz schaut, sieht nicht das gesamte Bild", betonte Wissmann. [John Lloyd/Flickr]

Donald Trump hat den Bau einer Mauer zu Mexiko beschlossen. Vor dem Protekionismus in der Wirtschaft warnen nun die deutschen Autohersteller.

Die deutsche Automobilindustrie hat die USA erneut vor Handelsbeschränkungen gewarnt. „Sollte es zu Einschränkungen des Nafta-Raumes kommen, so würden sie zunächst der US-Wirtschaft einen deutlichen Dämpfer geben“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann nach entsprechende Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Aber auch der internationale Handel wäre betroffen. Wissmann hob die Bedeutung der deutschen Autobauer und ihrer Zulieferer für die amerikanische Wirtschaft hervor. Mehr als die Hälfte der von ihnen in den USA produzierten 850.000 Fahrzeuge werde exportiert. Mit dem Aufbau von Zöllen oder Importsteuern würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden.

US-Börse erreicht Rekordhoch

Hoffnung auf Steuersenkungen und massive Investitionen: Der US-Aktienindex Dow Jones reagiert bislang äußert positiv auf die Amtsübernahme durch Donald Trump.

„Wer nur auf die automobile Handelsbilanz schaut, sieht nicht das gesamte Bild“, betonte Wissmann. Aussagekräftiger sei der Blick auf die Marktanteile. So hätten die deutschen Hersteller in den USA einen Marktanteil von 7,6 (Vorjahr 8,0) Prozent. Umgekehrt seien die Tochterunternehmen von Ford und der Opel-Mutter General Motors seit vielen Jahrzehnten in Deutschland mit eigener Produktion präsent, ihr gemeinsamer Marktanteil sei hierzulande deutlich zweistellig. Gute Handelsbeziehungen seien von entscheidender Bedeutung für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze, betonte Wissmann. „Protektionismus hat noch nie dauerhaft ein wirtschaftliches Problem auf der Welt gelöst.“

35 Importzoll geplant

US-Präsident Trump hatte die Autohersteller wegen ihrer Fabriken in Mexiko scharf angegriffen und mit einem Importzoll von 35 Prozent gedroht. Die drei großen US-Konzerne General-Motors, Ford und Fiat-Chrysler haben in den vergangenen Wochen die Schaffung von Arbeitsplätzen und Investitionen in den USA angekündigt. Zuletzt hatte Trump auch die deutschen Hersteller ins Visier genommen.

Mit Blick auf den von Großbritannien geplanten Austritt aus der Europäischen Union (EU) sagte der VDA-Chef, es müsse alles getan werden, um den ungehinderten Waren- und Dienstleistungsverkehr auch künftig zu ermöglichen. Zugleich müsse die EU die richtigen Schlüsse aus dem Votum der Briten ziehen. „Das gemeinsame Europa muss für seine Mitglieder attraktiver werden. Weniger EU-Regulierung ist jetzt mehr Europa“, sagte Wissmann. Großbritannien ist das wichtigste Exportland für die deutsche Automobilindustrie.